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Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, und Christopher Grätz, Vorstandsvorsitzender der Kapilendo AG. MANAGEMENT

Wachstum finanzieren – Ulrike Hinrichs und Christopher Grätz

Ob strukturelle Veränderungen oder ganz neue Projekte: Für ihre Entwicklung benötigen Unternehmen häufig die Unterstützung durch externes Kapital.

Ein stabiler und wachstumsorientierter Mittelstand ist für die deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung. „Investitionen von Beteiligungsgesellschaften in mittelständische Unternehmen“, so erläutert Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, „sind dabei ein wichtiger Motor.“ Gerade angesichts des demografischen Wandels ist zum Beispiel die Nachfolge vieler Familienunternehmen nicht gesichert. Kämen die natürlichen Nachfahren nicht in Betracht, erklärt Hinrichs, sei die Beteiligungsgesellschaft oft „der Wunschkandidat Nummer 1.“ Bei der Unternehmensübergabe könne so die Struktur des Betriebes ebenso wie die Marke erhalten werden.

Im Land der Weltmarktführer in den unterschiedlichsten Nischen fehlt es auch nicht selten an Kapital für wichtige Investitionen in das Wachstum dieser „Hidden Champions“. „Die Banken bremsen dort oft, glauben nicht an das Geschäftsmodell und die Wachstumspläne“, sagt Ulrike Hinrichs. Die finanzielle Beteiligung von Beteiligungsgesellschaften, die aufgrund ihrer Branchenkenntnis das Potential neuer Vorhaben erkennen, könne dann die Umsetzung entscheidender Schritte ermöglichen – sei es die Internationalisierung der Geschäfte oder die Digitalisierung von Prozessen. Ähnlich sieht es für Jungunternehmen aus, die durch Wagniskapital unterstützt werden. Um ihre Visionen Realität werden zu lassen, benötigen sie Partner, die ebenso wie sie selbst an diese glauben.

Das, so schildert es Ulrike Hinrichs, ist auch die stärkste Motivation für Investoren. „Sie agieren nicht wie Banken, die in erster Linie eine sichere Rendite mit weitgehend kalkulierbarem Risiko erzielen wollen.“ Natürlich gehe es auch den Beteiligungsgesellschaften um den Gewinn, doch dieser werde wesentlich langfristiger avisiert: „Die übliche Beteiligungsdauer der Fonds liegt bei vier bis sieben Jahren. So lange sitzen der Investor und das Unternehmen in einem Boot.“

Auch für Anleger, die über die Internet-Plattform Kapilendo in Projekte investierten, sei die Kreditvergabe mehr als eine reine Geldanlage, erläutert Christopher Grätz, der Vorstandsvorsitzende der Kapilendo AG. Auf der Website erhalten Interessenten detaillierte Informationen zu Unternehmen, Produkten und Projekten und entscheiden sich ganz konkret für das, was sie überzeugt und was sie unterstützen möchten. „Solch eine Form der Anlage ist sehr wertschätzend den Unternehmen gegenüber“, sagt Grätz.

Diese profitieren von den schnellen Prozessen, die Kapilendo etabliert hat: Drei bis fünf Tage dauere es von der Erstkalkulation bis zur Entscheidung über die Aufnahme eines Vorhabens in das Portfolio. Die Unternehmen müssten mindestens zwei Jahre alt sein und positive Umsätze verzeichnen, der Zinsertrag für die Anleger werde anhand der Bewertung des Risikos durch Kapilendo festgesetzt. Nach ca. sechs weiteren Wochen habe der Kreditnehmer in der Regel das benötigte Kapital. Und zudem eigens produzierte Texte, Videoporträts und Bilder. „Viele nutzen unsere Plattform auch als Instrument zur Kundengewinnung“, erläutert Grätz die Facetten des Angebots. Und fasst zusammen: „Wir wollen die Banken nicht ablösen, sehen uns aber als Ergänzung im Finanzierungsmarkt.“

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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