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Helmut Goltz, Inhaber der Seilerei Goltz BUSINESS MOBILITY

180 Jahre Unternehmensgeschichte

Historische Ereignisse und wirtschaftliche Entwicklungen prägen die 180-Jährige Geschichte der Seilerei Goltz in der Oberlausitz.

Es begann mit einer politischen Entscheidung, die für die Vorfahren von Helmut Goltz zum Glücksfall wurde: Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Sachsen neu aufgeteilt, ein Teil der Region, darunter die Oberlausitz, fiel an Preußen, das auch in den neuen Gebieten die Gewerbefreiheit einführte. Der Schritt zu einem eigenen Geschäft wurde dadurch deutlich leichter. „Jeder konnte loslegen“, erläutert Goltz. 1836 wurde die Seilerei, die er heute erfolgreich führt, gegründet: „Die Gewerbefreiheit war eine große Chance, doch es hat ein wenig gedauert, bis die neue Wirtschaftsform griff und die Menschen den Mut fassten.“

Dennoch, so erzählt der Inhaber der Hanf- und Drahtseilerei, sei die nicht ganz so zentral gelegene Region den großen Städten der Umgebung im 19. Jahrhundert an vielen Stellen voraus gewesen: Ganze zehn Jahre bevor in Dresden die Industrie- und Handelskammer gegründet wurde, habe es sie hier bereits gegeben. Das wirtschaftliche Klima war lange Zeit auch für die Seilerei günstig: „Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs“, berichtet Goltz, „wurden 5.000 Quadratmeter Land gekauft, um den Betrieb zu vergrößern.“ Doch der Krieg vereitelte die Wachstumsambitionen, 1945 schloss die Seilerei vorübergehend ihre Tore und nahm die Arbeit erst 1950 dank einer städtischen Sondergenehmigung wieder auf. „Bis 1990 arbeiteten wir unter sehr bescheidenen Umständen“, berichtet der Seilermeister, der 1977 in das Unternehmen einstieg.

Doch das Unternehmen wuchs rasch. Heute sind 50 Mitarbeiter damit beschäftigt, die hochwertigen Seile, Ketten und Zubehörteile zu fertigen, sich um den Vertrieb und die Logistik dahinter zu kümmern.

Im Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien ist der 60-Jährige verwurzelt: In den 1970er Jahren war er sechs Jahre „weg“, kehrte zurück, auch „um etwas zurück zu geben von dem, was ich hier bekommen habe.“ Und so ist die Seilerei Goltz in vielerlei Hinsicht ein klassisches Familienunternehmen: Es gehe nicht nur um die Maximierung der Gewinne, erläutert Helmut Goltz. Wichtig sei ihm auch die persönliche Komponente, zu sehen, wie es den Mitarbeitern gehe und auch deren private Situation gegebenenfalls zu berücksichtigen. „Niemand ist hier auf sich alleine gestellt.“

Empathie ist für ihn auch ein entscheidender Faktor in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern. „Wenn wir in Polen über die Historie reden, liegen dem unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zugrunde.“ Die Lage der Region ist für Goltz Chance und Herausforderung zugleich: Die Märkte in den Nachbarländern sind wichtig für ihn, das Zusammenwachsen in Europa eines seiner großen Anliegen.

Dass die Region durch die Abwanderung der Menschen geprägt wurde, war für Goltz´ Unternehmen kein Thema: „Wir haben unsere eigenen Leute herangezogen, sie gut ausgebildet, ihnen Perspektiven gegeben und auch reife Mitarbeiter eingestellt.“ Die Oberlausitz profitiert aus seiner Sicht auch von politischen Maßnahmen wie dem Mindestlohn, durch den sich neue Betriebe im Grenzgebiet angesiedelt hätten, und der Arbeitnehmerfreizügigkeit. „Zwölf Prozent meiner Mitarbeiter kommen aus Polen. Wenn jemand kommt, der arbeiten möchte, sollte Integration kein Problem sein.“

Für das Leben und Arbeiten in der Region zwischen Heide und Lausitzer Teichlandschaft spräche vieles: Die Umgebung, die mit Bergen und Seen vielfältige Freizeitmöglichkeiten in der Natur böte, die günstigen Mietpreise, aber auch die gut ausgeprägte Hochschullandschaft und starke Wirtschaftszweige wie die Bauwirtschaft. „Wir haben seit 1990 250.000 Menschen verloren, unsere Infrastruktur kann gut 100.000 Menschen verkraften“, verweist Helmut Goltz auf die positiven Effekte der Zuwanderung und wünscht sich zudem mehr Rückkehrer in die Oberlausitz.

Fakten

Fakten


• Seit 180 Jahren familiengeführt, in 7.Generation

• Standort Oberlausitz

• 50 Mitarbeiter

• Produktion/Revision/Konfektion von Hebezeugen und Lastaufnahmemitteln aller Art

• Informationen unter www.goltz-seile.de

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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