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Trends und Entwicklungen im HR-Bereich


Stephan Gingter, Präsident des BDVT e. V.

Das Coaching in Deutschland steht vor einem großen Umbruch. Wie in anderen Ländern, wo Coaching längst zum Alltag gehört, wird es auch in Deutschland immer wichtiger. Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft, besonders was ihre Arbeitsplätze in den nächsten Jahren betrifft.

Wie geht man mit den Trends der Zukunft um (Digitalisierung und Industrie 4.0)?

Die Digitalisierung wie Industrie 4.0 sind omnipräsent in den Unternehmen und damit im Businesscoaching bei den Klienten. Die Coaches suchen Antworten, die es nicht immer gibt. Entscheidend ist neben der Entwicklung der digitalen Fitness für jeden Einzelnen die Erhöhung der Anpassungsgeschwindigkeit an aktuelle Erfordernisse. Insofern ist Coaching einer der zentralen Umsetzungsunterstützer für die Menschen in den aktuellen Trends. Ich erlebe kein Coaching mehr, in dem diese aktuellen Themen nicht relevant sind.

Neue Jobs entstehen, viele alte fallen weg – mit welchen ethischen Grundsätzen arbeitet man beim Coaching?

In einem wachsenden Markt geht es mehr und mehr um die Transparenz der Qualität. Wenn der Coach seine Grenzen kennt und dem Menschen auf Augenhöhe begegnet, sich seiner Rolle bewusst ist und die Zusammenarbeit konkreten Regeln folgt, dann ist der Erfolg eine Folge. Die ethischen Grundsätze im Coaching werden durch die sich disruptiv verändernden Märkte zunächst nicht beeinflusst. Nach wie vor ist neben der Qualität des Coachs die Passung zum Klienten der entscheidende Faktor.

Was sind die Trends und welche Methoden sind neu?

Es zeichnen sich drei Trends ab: Ein wichtiger Trend ist die Verzahnung der Disziplinen Training, Beratung und Coaching. Heute kommt keine nachhaltige Trainingsmaßnahme mehr ohne Coaching aus. Es ist die Aufgabe des Lernbegleiters, die eigene Rolle jeweils zu klären.

Der zweite Trend ist die virtuelle Zusammenarbeit von Coach und Klient. Dies trägt der zeitlichen Herausforderung, der Loslösung von der Ortsfrage und der noch intensiveren individuellen Begleitung Rechnung.

  

Katharina Heuer, Vorsitzende der Geschäftsführung der DGFP (Deutsche Gesellschaft für Personalführung)

Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche in den Unternehmen. Praktisch befinden sich alle Unternehmen im ständigen Wandel.

Frau Heuer, wohin wandelt sich das Change Management?

Heute im Zeitalter der digitalen Transformation müssen Unternehmen sich nicht nur permanent an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen, sondern sie müssen ihre Geschäftsmodelle und -prozesse grundlegend überdenken, ihre Innovationsfähigkeit erneuern und sich am Ende des Tages als Unternehmen digital und agil ausrichten. Heute ist Transformationsmanagement gefragt, d. h. die Transformation von Unternehmen in eine erfolgreiche digitale Zukunft. Transformationsmanagement bedeutet aber auch beidhändiges Management oder das Management von zwei Geschwindigkeiten der „neuen“, digitalen und agilen und der „alten“, analogen und stabilen Unternehmenswelt.

Wie kann das HR von der Digitalisierung profitieren?

Die Digitalisierung ist für HR eine echte Chance, sich in doppelter Hinsicht zu einem starken HR zu entwickeln. Die Digitalisierung ermöglicht es, alle administrative HR-Prozesse und Tätigkeiten zu automatisieren und mit Smart Services für Führungskräfte und Mitarbeiter zu digitalisieren. Somit kann HR sich auf das wertschöpfende People Management und Transformationsmanagement konzentrieren. HR wird damit noch stärker denn je zum strategischen Partner auf Augenhöhe. Wir müssen hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Dann profitiert HR in doppelter Hinsicht.

Transformation bedeutet Wechsel – Was bedeutet das für die HR-Abteilungen in den Unternehmen?

Um die notwendigen Transformationsprozesse initiieren und vorantreiben zu können, muss HR bei sich selbst und der eigenen Transformation beginnen. Es gilt also rechtzeitig neue Trends zu erkennen, technologische Entwicklungen zu verstehen, mutig zu sein, selbst zu experimentieren und am Ende passende Lösungen für die agile und digitale Ausrichtung der eigenen Funktion und Profession zu entwickeln. Nur so wird HR ein glaubwürdiger und akzeptierter Partner für eine erfolgreiche Transformation.


Dr. Beate Grossmann, der Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Gesundheit und Prävention e. V.

Gesunde Mitarbeiter sind wertvolle Mitarbeiter. Deswegen bieten immer mehr Unternehmen eine betriebliche Gesundheitsförderung.

Frau Dr. Grossmann, gibt es ein Umdenken in den Betrieben, was die gesundheitliche Vorsorge betrifft?

Ja, die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, die Relevanz vor allem auch für verbesserte Arbeitsbedingungen, dadurch ein besseres Betriebsklima und nicht zuletzt eine bessere Produktivität wird zunehmend erkannt. Allerdings werden Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen immer noch unterdurchschnittlich erreicht. Hier besteht also noch hoher Handlungsbedarf.

Viele Startups machen es vor – ein Vorbild auch für andere?

Wenn damit gemeint ist, dass in Startups möglicherweise besondere Aufmerksamkeit oder Aufgeschlossenheit für Gesundheitsförderung im Betrieb gegeben ist: Ja! Gute Beispiele können eine willkommene Hilfestellung bei der Einführung von BGF sein. BGF-Maßnahmen müssen auf die Besonderheiten des einzelnen Betriebes und die unterschiedlichen Zielgruppen ausgerichtet sein, da die jeweilige Organisationskultur sowie die Lebens- und Arbeitsbedingungen, Gesundheitsbewusstsein, persönlicher Umgang mit Gesundheit, soziale Lage, Alter und Geschlecht Auswirkungen darauf haben, was effektiv und effizient ist.

Durch die Digitalisierung entstehen neue Arbeitsplätze – Gibt es schon Programme dafür?

Es zeichnen sich schon jetzt konkrete Chancen vor allem für die „klassischen“ Fragestellungen der Arbeitssicherheit, also z. B. für das Unfallrisiko in Transport und Verkehr, ab. Doch insgesamt beginnen wir gerade erst, den Prozess der Digitalisierung und dessen Konsequenzen für die Arbeitswelt in seinem ganzen Ausmaß zu begreifen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind den Beteiligten aber jetzt schon weitgehend bekannt.

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Journalist

Jörg Wernien

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