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Nick Heidfeld, deutscher Automobilrennfahrer DIGITALISIERUNG

Nick Heidfeld: Formel E statt Formel 1

Der ehemalige Formel-1-Pilot startet seit dem letzten Jahr im Elektroauto. Auch privat setzt der gebürtige Mönchengladbacher auf E-Mobilität.

„Die Formel E steht erst am Anfang und die Technologie wird sich rasant weiterentwickeln.“

„Die Elektromobilität hatte lange den Ruf, langsam und bieder zu sein. Die Formel E trägt mit Sicherheit dazu bei, dass sich das Image zum Positiven hin wendet“, sagt Nick Heidfeld. Der Rennfahrer, der seit 1994 im Autorennsport aktiv ist, weiß, wovon er spricht. Seit 2014 gibt er in der Formel E Gas.

Die Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) wurde auf Initiative von Jean Todt ins Leben gerufen. Ausgetragen wird sie seit September 2014 auf bis zu drei Kilometer langen Stadtkursen, darunter Berlin, London, Moskau und Miami Beach. „Das sind anspruchsvolle, teilweise sehr enge Kurse in tollen Städten, die den Fahrern in den bis zu 45 Minuten langen Rennen alles abverlangen“, sagt Heidfeld über den Reiz der Formel E. „Immerhin erreichen wir Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern. Da muss man immer am Limit fahren und Fehler werden sofort bestraft.“ Dass die Fahrer sehr nah beieinander waren, zeigte sich auch bei der Entscheidung in der ersten Formel-E-Saison, die erst im letzten Rennen fiel. Nelson Piquet Junior verließ London als Weltmeister, Heidfeld wurde schlussendlich Zwölfter. Nicht nur die Zuschauer waren begeistert von dem Spektakel, das ihnen in der Stadt an der Themse geboten wurde. An den beiden Renntagen in London zählte man mehr als 30 000 Menschen, beim Rennen auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof waren es fast genauso viele.

Im Gegensatz zur Formel 1 traten in der Formel-E-Debütsaison alle Teams mit einem einheitlichen Fahrzeug an, einem Spark-Renault SRT _01E mit 200 kW (272 PS), der Höchstgeschwindigkeiten über 200 Stundenkilometer erreicht. Die rund 200 Kilo schweren Batterien, die immerhin fast ein Viertel des Gesamtgewichts des Rennboliden ausmachen, stellte Williams Advanced Engineering zur Verfügung. Sie lieferten bei bis zu 1000 Volt eine maximale Energie von 28 Kilowattstunden. „Das Fahrgefühl kommt dem in einem Formel-1-Wagen sehr nahe. Man tritt auf das Gas und die Leistung ist sofort da“, schwärmt Heidfeld. Allerdings habe er sich erst einmal daran gewöhnen müssen, dass die Elektrorennwagen fast geräuschlos fahren. Das sei auch für die Zuschauer angenehm: Sie müssen keine Ohrstöpsel tragen. „Das Publikum ist bei den Rennen in der Formel E deutlich jünger, es sind sogar Kinder an der Strecke“, freut sich Heidfeld.

Spannung und große Namen, damit wollte die Formel-E-Rennserie punkten – und das ist ihr auch gelungen. Denn vieles an dem neuen Konzept scheint aufzugehen. Politisch und gesellschaftlich passt die Formel E ohnehin zum aktuellen Zeitgeist, der von Nachhaltigkeit und Erneuerbaren Energien geprägt ist. Das zeigt sich auch daran, dass der „grüne“ Motorsport es zum ersten Mal in das Greenpeace-Magazin geschafft hat.

Am 17. Oktober startet die Formel E in Beijing (China) in ihre zweite Saison. Neu ist, dass die zehn Teams eigene Antriebe entwickeln dürfen. Mit dabei sein wird auch Nick Heidfeld. Unklar ist allerdings noch, für welches Team er starten wird. „Der Motorsport ist nun mal meine große Leidenschaft. Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht vorstellen“, schmunzelt Heidfeld, der sich momentan unter anderem auch auf seinen Einsatz für das Rebellion Racing Team bei der Langstrecken-WM (WEC) auf dem Nürburgring vorbereitet. „Zu viele Rennen möchte ich allerdings nicht fahren, denn die Familie steht für mich an erster Stelle und ich genieße es heute sehr, auch mal zu Hause zu sein“, stellt der Wahl-Schweizer klar.

Heidfeld ist davon überzeugt, dass der Rennsport mit Elektroantrieb eine große Zukunft hat. „Die Formel E steht erst am Anfang und die Technologie wird sich rasant weiterentwickeln“, meint der 38-Jährige. So soll beispielsweise die Motorleistung im Rennen und auch die Gesamtenergie der Batterien in den kommenden Jahren gesteigert werden, sodass zur Rennhalbzeit keine Fahrzeugwechsel mehr notwendig sind. Im privaten Bereich setzt Heidfeld ebenfalls auf E-Mobilität: Auf kurzen Strecken fährt er einen Elektrowagen von Nissan. Zudem bemüht er sich, so wenig Strom wie möglich zu verbrauchen und sparsam mit den Ressourcen umzugehen. Und schließlich kümmert sich Heidfeld als Juror in der Nissan GT Academy, die aus Playstation-Spielern echte Rennfahrer machen will, um den Nachwuchs. Es sei schon möglich, dass es einer von den vielen tausend Teilnehmern irgendwann in die Formel 1 oder in die Formel E schafft, gibt sich Heidfeld optimistisch. Doch zunächst einmal will er in der kommenden Formel-E-Saison sein Bestes geben. Vielleicht heißt der neue Weltmeister 2016 Nick Heidfeld? Wir drücken die Daumen!

Fakten

Fakten

Die Karrierestationen von Nick Heidfeld:

• 1984–1993: Kartsport
• 1994–1995: Deutsche Formel Ford (1. Platz)
• 1996–1997: Deutsche Formel 3 (1. Platz 1997)
• 1998–1999: Formel 3000 (1. Platz 1999) und Testfahrer Formel 1
• 2000–2011: Formel 1
• seit 2012: WEC
• seit 2014: Formel E

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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