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Nicht zu toppen: Gründerstandort Hamburg

Wir haben ausgewiesene Experten danach gefragt, was die Hansestadt als Gründerstandort ausmacht und mit ihnen einen Blick in die Zukunft gewagt. Ihre Antworten zeigen, dass Hamburg beste Voraussetzungen mitbringt, um sich als Gründerstandort noch weiterzuentwickeln.


Doreen Hotze, Leiterin des Gründungszentrums der Handelskammer Hamburg
Foto: Ulrich Perrey

Was macht die Stadt Hamburg als Gründerstandort so attraktiv?
Die Stadt bietet Zugang zu Kunden, Lieferanten oder Kooperationspartnern, eine einzigartige Infrastruktur und perfekte Anbindungen in alle Welt. Durch die 20 Hochschulen und Forschungseinrichtungen gibt es einen guten Zugang zu Fachkräften. Dazu kommen starke Partner und Netzwerke, eine hohe Lebensqualität, zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und viele kulturelle Angebote. 

In welchen Bereichen gibt es besonders viele Gründer und warum ist das so?
Hamburg wird zur Stadt der „Foodies“. Durch die kulinarische Vielfalt und Aufgeschlossenheit der Hamburger, kombiniert mit einer überdurchschnittlichen Wirtschaftskraft, ist unsere Stadt ein gutes Pflaster für sie. Die Hamburger waren Neuerungen gegenüber schon immer offen. Deshalb sind der E-Commerce, die Medien- oder Games-Branche stark vertreten. Zudem sind Geschäftsmodelle aus den Bereichen FinTech, Mobility und Logistik auf dem Vormarsch. 

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
In den letzten Jahren hat sich der Standort beeindruckend entwickelt. Viele Gründungen sind zu international agierenden Unternehmen geworden und führende Internetunternehmen haben sich für Hamburg als Hauptsitz entschieden. Bei uns herrscht ein quirliges Gründungsgeschehen und es hat sich ein beeindruckendes Gründungs-Ökosystem entwickelt. Die Netzwerke und Angebote für angehende Unternehmer sind vielfältig. All dies ist eine sehr gute Basis, um Ideen auch in Zukunft erfolgreich umzusetzen. Hamburg wird auch in Zukunft eine deutsche Gründungsmetropole bleiben.



Stefanie Hagenmüller, Senior Manager Audit bei KPMG

Was macht die Stadt Hamburg als Gründerstandort so attraktiv?
Der Mut, Geld zu investieren und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, hat hier Tradition. In der Schanze, der Hafencity oder Ottensen finden Gründer eine Atmosphäre, in der sie sich wohlfühlen. Mit dem betahaus, dem Mindspace oder dem Startup-Dock der TU gibt es Coworking-Spaces, die Gründer anziehen. Immer mehr mischen sich aber auch Vertreter der Old Economy ein, um voneinander zu profitieren.

In welchen Bereichen gibt es besonders viele Gründer und warum ist das so?
Das sind vor allem Gaming, Retail und FinTech. Startups aus dem Cluster Gaming finden an keinem deutschen Standort so günstige Bedingungen vor, da sie Synergien mit der Medienwirtschaft nutzen können. Hamburg bietet mit seinen vielen Unternehmen aus der Medien- und IT-Wirtschaft die Möglichkeit, Medien zu verschmelzen und so Potenzial zu heben. Auch bei den Retail-Startups spielt die starke Präsenz großer Handelsunternehmen eine entscheidende Rolle.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Corporates und Startups nähern sich an. Einige Firmen haben eigene Startups am Markt platziert oder bieten die Möglichkeit, an einer Idee zu arbeiten. Es wird wichtig, Startups die passende Umgebung zu bieten und den Austausch zu fördern, denn sie brauchen Unterstützung von vielen Seiten. Wir stehen ihnen mit unserer Smart Start Initiative bei wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Fragestellungen zur Seite.



Robert Beddies, Geschäftsführer betahaus Hamburg
Foto: Kathrine Uldbæk Nielsen

Was macht die Stadt Hamburg als Gründerstandort so attraktiv?
Für mich gibt es in Hamburg eine spannende Kombination aus hanseatischem Kaufmannstum und kreativen Geschäftsideen. Viele Gründer gehen auch durch die eher hohen Lebenskosten konzentrierter zu Werke und das Thema Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Durch die vielen etablierten Unternehmen in Hamburg gibt es außerdem ein großes Netzwerk an potenziellen Partnern und B2B-Kunden. 

In welchen Bereichen gibt es besonders viele Gründer und warum ist das so?
Wir sehen natürlich viele Startups aus dem Medienbereich. Durch die vielen großen Verlagshäuser und Organisationen wie den „next media accelerator“ gibt es hier eine sehr gute Infrastruktur. Auch im Bereich FinTech sind einige Firmen unterwegs – getrieben von den Erfolgen von Kreditech, Deposit Solutions und figo, aber auch begünstigt durch FinTech-affine Organisationen und experimentierfreudige Banken. 

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Es wird viel davon abhängen, wie sich die Infrastruktur entwickelt. Damit meine ich nicht nur Coworking-Spaces und Startup-Events, sondern auch die Bereitschaft der Stadt, in technische Infrastruktur wie schnelle Internetleitungen zu investieren. Hamburg ist teuer und Gründer sind noch mehr als anderswo von Starthilfe abhängig. Aber grundsätzlich hat Hamburg ausreichend Ideen, unternehmerischen Spirit und Kapital – und damit beste Voraussetzungen, um sich als Gründerstandort weiterzuentwickeln.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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