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Dr. Oliver Grün, Präsident des Bundesverbandes IT-Mittelstand e.V. DIGITALISIERUNG

Nicht vom Rest der Welt abhängen lassen

Dr. Oliver Grün, Präsident des Bundesverband IT-Mittelstand e.V., über die Herausforderungen der Digitalisierung für den deutschen IT-Mittelstand.

„Qualifizierte Fachkräfte sind essentiell für die erfolgreiche Digitalisierung.“

Vor welchen Herausforderungen steht der IT-Mittelstand in Deutschland?
Die Digitalisierung bringt für den IT-Mittelstand Herausforderungen in doppelter Hinsicht: Einerseits müssen sich die Unternehmen selbst konsequent digitalisieren und mit den neusten Entwicklungen Schritt halten. Andererseits ist es als Schrittmacher der Digitalisierung ihre Chance, ihre Kunden – den anwendenden Mittelstand – mitzunehmen in die digitale Transformation. Zentral in beiden Fällen ist es, die richtigen Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Um die neuen Technologien und deren Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell wirklich zu verstehen, werden Menschen mit digitaler Kompetenz benötigt, und zwar nicht nur auf Entwicklerebene. Auch im Management müssen sich Mitarbeiter digital weiterbilden, um Synergien, Potenziale und digitale Geschäftsmodelle für das Unternehmen zu erkennen.

Wie unterstützt der Bundesverband IT-Mittelstand diesen dabei?
Im Bereich der Qualifizierung von Fachkräften sind wir auf europäischer Ebene aktiv dabei, einen gemeinsamen Qualifikationsrahmen für die Digitalisierung zu schaffen, damit Kompetenzen vergleichbar werden und Fachkräfte grenzübergreifend gefunden werden können. Auf Bundesebene haben wir zuletzt an der Neuordnung der IT-Fachberufe durch das Bundesinstitut für Berufsbildung mitgearbeitet, damit IT-Berufe den Anforderungen der schnelllebigen Digitalisierung gerecht werden. Dabei wurde auch unser Vorschlag aufgenommen, die Hochschulbildung für Menschen mit einer IT-Fachausbildung durchlässiger zu machen, um dem Fachkräftemangel entgegentreten zu können.

Welches Potential bietet Outsourcing?
Outsourcing bietet vor allem die Möglichkeit, Kosten und Zeit zu sparen. Durch den schnellen technologischen Wandel ist es für viele kleine und mittelständische Unternehmen schier unmöglich, immer auf dem neuesten Stand zu sein, wenn nicht gerade ihr Kerngeschäft betroffen ist. Aus Angst vor Sicherheitsrisiken entscheiden sie sich aber womöglich dagegen, die digitale Transformation anzugehen. Mit besonderem Misstrauen wird hier oft der Cloud begegnet. Dabei ist es in vielen Fällen sicherer, die eigenen Daten bei einem großen Hostinganbieter unterzubringen, dessen Anlage auf dem neusten Stand der Technik ist, als sie auf veralteten Servern im Keller aufzubewahren.

Welche Chancen und Risiken beinhalten das IoT und Industrie 4.0 für den deutschen Mittelstand?
Das Internet der Dinge und Industrie 4.0 bieten viele Möglichkeiten, Prozesse zu optimieren und flexibel auf neue Situationen zu reagieren, indem Maschinen und Geräte direkt miteinander kommunizieren. Die daraus entstehenden Daten müssen aktiv genutzt werden, einerseits um eigene Abläufe zu verbessern, aber auch, um das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und Innovation zu schaffen. Denn die Zukunft der Wertschöpfung liegt nicht mehr in den Produkten selbst, sondern in den Smart Services, die dazu entwickelt werden. Hier muss der deutsche Mittelstand nachholen. Ansonsten besteht die Gefahr zur verlängerten Werkbank der restlichen Welt zu werden. Die Risiken der vernetzten Technologien liegen in der IT-Sicherheit. Wenn ein Unternehmen in diese Richtung bewegt wird, muss Sicherheit immer mitgedacht werden. Text: Kirsten Schwieger

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Journalist

Kirsten Schwieger

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