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Neuordnung Durch Internet im Auto

Der weltweite Automobilmarkt steht vor einer Revolution. Die Marktgewichte werden sich verschieben und verantwortlich ist dafür die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge. 

Schon jetzt kommt für 13 Prozent aller Neukunden ein Fahrzeug ohne Internetzugang nicht mehr in Frage. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von McKinsey&Company. „Car Connectivity hat das Potential, die Automobilbranche entlang aller Ertragsquellen stark zu verändern“, sagt Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey. 

Zurzeit werden weltweit rund 30 Mrd. Euro für Dienste und Connectivity-Komponenten ausgegeben. Die Studie schätzt, dass sich das bis 2020 mehr als verfünffachen wird. Das Thema, so schätzen die Experten der Studie, wird für die Autohersteller zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. „Beim Autokauf spielen Angebote wie Echtzeit-Wartungsinformationen, ortsbasierte Empfehlungen, dynamische Stauprognosen oder Musikstreaming eine zunehmend wichtige Rolle“, erklärt Mohr. 20% der Kunden würden die Automarke wechseln, wenn sie dadurch an bessere Connectivity-Angebote gelangen. Unter den Vielfahrern, die mehr als 20 Stunden pro Woche im Auto verbringen, beträgt der Anteil der Wechselwilligen sogar 40%.

„Maßgeblich beeinflusst sind auch die Bereiche Wartung und Versicherung – beispielsweise durch Wartungsempfehlungen oder eigene Apps“, erläutert Mohr weiter. So könnten Hersteller Daten zum Zustand der Fahrzeuge nutzen, um ihren Anteil am Wartungs- und Reparaturmarkt zu erhöhen, indem sie die Kundenbindung stärken. 23% der weltweit befragten Autokäufer – in Deutschland erst 7% – würden der Wartungs- oder Reparaturempfehlung einer App folgen und eine Vertragswerkstatt aufsuchen.

Der Kampf um die Führungspositionen der Automobilindustrie hat längst begonnen. Und die großen Internetunternehmen drängen zusätzlich immer mehr in diesen Bereich rein. Wenn die Hersteller die Hoheit über ihre Daten bei den Fahrzeugen verlieren sollten, dann würden Google und Co. in Zukunft auch den Weltmarkt der Automobilindustrie steuern.

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Journalist

Jörg Wernien

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