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Rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung pendelt zur Arbeit.  BUSINESS MOBILITY

Morgendlicher Stress: Pendeln in Deutschland

Jeden Morgen und jeden Abend das gleiche Bild: Stoßstange an Stoßstange schiebt sich auf der Berliner Stadtautobahn oder der AVUS der Verkehr in Richtung Berliner Zentrum. Auch wenn die deutsche Hauptstadt den größten Zuwachs an Einpendlern seit dem Jahr 2000 zu verzeichnen hat, so steht Berlin mit dieser Entwicklung nicht allein. Inzwischen pendeln rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung zur Arbeit. 

München zählt über 355.000 Menschen, Frankfurt am Main 348.000 Menschen, die von außerhalb der Stadtgrenzen an ihren Arbeitsplatz fahren. Damit sind aber diejenigen noch gar nicht erfasst, die beispielsweise innerhalb von Großstädten von Nord nach Süd oder von Ost nach West unterwegs sind und dafür häufig mehr als eine Stunde brauchen. Inzwischen sind es rund siebzehn Kilometer Arbeitsweg, den die Menschen pendelnderweise zurücklegen müssen.

Dass viele Menschen zum Arbeiten vor allem in die Großstädte pendeln, liegt einerseits an einem deutlichen Beschäftigtenzuwachs in den vergangenen Jahren, aber auch häufig befristeten Arbeitsverhältnissen, bei denen sich ein Umzug nicht lohnt. „Insbesondere die Umlandkommunen profitieren vom Wachstum der wirtschaftsstarken Großstädte“, sagt der Direktor der Bundes Harald Herrmann. „Es hat aber auch Nebenwirkungen, dass immer mehr Beschäftigte außerhalb wohnen. Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt.“

Dr. Weert Canzler, Mobilitätsmanager beim InnoZ, dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel in Berlin: „Die Pendlerströme sind gewachsen und zwar noch stärker, als die offizielle Statistik zeigt. Viele Menschen legen innerhalb der Gemeindegrenzen lange Wege zwischen Wohn- und Arbeitsort zurück. Eine einzige Lösung gibt es nicht: „Homeoffice“ erspart als arbeitsorganisatorische Innovation das Pendeln für ein oder zwei Wochentage. Auch die Flexibilisierung von betrieblichen Arbeitszeiten kann Verkehrsspitzen dämpfen. Vor allem aber ist der Öffentliche Verkehr als Alternative zum privaten motorisierten Individualverkehr zu stärken. Staus morgens und abends nerven und sind als Zeitfresser auch volkswirtschaftlich ein signifikanter Negativposten. Zudem verschärft der automobile Pendlerverkehr in vielen Städten die Schadstoff- und Lärmbelästigung.“ 

Das Problem bei der Verlagerung auf den Öffentlichen Verkehr ist, dass nur wenige Menschen direkt an Bahnhöfen oder Bushaltestellen wohnen. „Intermodale Schnittstellen“ heißt da das Zauberwort: gemeint sind z.B. Übergänge vom Fahrrad in den ÖV. Auch Elektro- und Leihfahrräder können interessante Alternativen zum Pendeln per Auto sein.

Auch für die Krankenkassen ist das Pendeln ein Thema, schon seit längerem ist nämlich bekannt, dass Berufspendeln belastend auf den Körper wirken kann. Die Länge und die Dauer des Arbeitsweges erzeugen Stress, der bis zur Depression führen kann. Vor allem dann, wenn das Pendeln beispielsweise unter enormen Zeitdruck geschieht, weil die Betroffenen feste Termine, wie den pünktlichen Arbeitszeitbeginn oder Meetings einhalten müssen.

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Journalist

Frank Tetzel

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