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Mobil sein ohne Lärm und Gestank

Prämie zur Anschaffung von E-Fahrzeugen wird wenig genutzt.

Fakten

Mal eben zum Einkaufen, zum Sport, ins Theater oder zu Freunden fahren – die meisten Wege, die man mit seinem Auto zurücklegt, sind eher kurz. Doch jedes einzelne Mal Gas geben, bremsen, rangieren und mit laufendem Motor warten, verursacht Lärm und Abgase. Jede einzelne Fahrt erhöht die allgemeine Dezibel- und Schadstoffbelastung an unseren Wohn- und Arbeitsorten und ist nachweislich für ein größeres Schlaganfallrisiko verantwortlich. Warum also nicht die saubere und fast geräuschlose Alternative wählen? Mit Elektrofahrzeugen kommt man gerade in Großstädten genauso gut voran, ohne dabei auf sein eigenes Fahrvergnügen verzichten zu müssen. Dass in Deutschland der große Hype bisher im Gegensatz zu Norwegen noch nicht eingetreten ist, hat mehrere Gründe.

Innerhalb der größeren Städte und Ballungszentren existieren mittlerweile zwar ausreichend Ladepunkte, wer allerdings etwas außerhalb in einem eigenen Haus lebt, hat das Nachsehen und muss oftmals einen extra Stromanschluss legen lassen, zu dem nicht selten die Straße aufgerissen werden muss – auf eigene Kosten. Insgesamt gibt es in Deutschland erst ungefähr 11.000 öffentliche Ladepunkte; den überwiegenden Teil in Metropolen. Abseits der Ballungszentren existieren nach wie vor viel zu wenige. 

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden erst etwa 82 Millionen Euro Umweltprämie aus dem mit 1,2 Milliarden Euro gefüllten Fördertopf beantragt, das entspricht etwas über 23.000 Anträgen. In den Sommermonaten wurden durchschnittlich etwa 2.600 Anträge pro Monat gestellt, in den Wintermonaten waren es jeweils unter 1900. 

Bis zum Sommer 2019 könnten demnach noch 300.000 Käufer eine Prämie erhalten und einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen, damit unser Leben ruhiger und sauberer wird. Für Elektroautos bis zu einem Kaufpreis von 60.000 Euro beträgt die Prämie 4.000 Euro, für Hybridfahrzeuge liegt sie bei 3.000 Euro. Die Hälfte übernimmt der Autoproduzent, die andere Hälfte der Staat. 

Weltweit surren bereits über zwei Millionen elektrischer Fahrzeuge auf den Straßen, in Deutschland ist nur jeder 1346. Wagen rein elektrisch. Am beliebtesten sind davon elektrische Fahrzeuge von BMW mit knapp 6.000 Anträgen, Renault mit fast 3.700 Anträgen und Audi mit knapp 3.000 Anträgen. Für elektrische VWs wurden rund 2.400 Anträge eingereicht. 

Insgesamt sind rund 45,8 Millionen Personenkraftwagen in Deutschland zugelassen. Die gut 34.000 Elektrofahrzeuge entsprechen dabei einem Anteil von gerade mal 0,074 Prozent, sind also kaum wahrnehmbar. Um mehr Fahrer auf den Geschmack zu bringen, sind besonders Car-Sharing-Anbieter gefordert. Diese Angebote werden von Millionen Menschen genutzt, die oftmals auch ein eigenes Auto besitzen, aber in der Innenstadt lieber auf die Leihmodelle zurückgreifen. Wer hier ganz nebenbei an E-Mobilität gewöhnt wird, verliert viel schneller Berührungsängste vor dem „Neuen“ und wird somit auch schneller ein elektrisch aufladbares Fahrzeug kaufen als jemand, der noch nie mit umweltschonendem Fahren zu tun hatte. 

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Journalist

Katja Deutsch

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