Weekly News

Die Mittelstandsanleihe stellt als klassisches Fremdkapital neben dem Schuldscheindarlehen eine optionale Finanzierungsquelle dar. FINANZEN

Mittelstandsanleihen – Die Alternative für Wachstum

Immer häufiger stehen mittelständische Unternehmen vor der Frage, auf welche Weise weiteres Wachstum oder eine erforderliche Fremdkapitalumstrukturierung gemeistert werden kann.

„Objektiv betrachtet ist die Mittelstands-anleihe keine neue Erfindung.“

Seit dem Jahr 2010 hat sich den Unternehmen in Deutschland mit dem Instrument der Mittelstandsanleihe eine weitere Finanzierungsalternative eröffnet. Die von der Öffentlichkeit stark wahrgenommene Entwicklung am deutschen Markt für Mittelstandsanleihen wirft die Frage nach dem Pro und Contra dieses relativ jungen Instruments zur Unternehmensfinanzierung auf.

Die häufigsten Beweggründe sind ein starkes organisches Wachstum, Diversifikationsstrategien oder der Eintritt in neue Märkte. Besteht zusätzlich der Wunsch oder die Notwendigkeit, die Fremdkapitalseite zulasten der klassischen Kreditfinanzierung durch Banken umzustrukturieren, stellt die Mittelstandsanleihe als klassisches Fremdkapital neben dem Schuldscheindarlehen eine optionale Finanzierungsquelle dar. Durch die allgemein erwartete Entwicklung, dass die Banken im Zuge der Basel III-Vorgaben eine restriktivere Kreditvergabepraxis umsetzen werden, rücken diese Alternativen zusätzlich in den Vordergrund. Daneben haben die Unternehmen weiterhin die Möglichkeit der Aufnahme von Eigenkapital. Die Entscheidung für eine Mittelstandsanleihe erfordert ebenso wie die Aufnahme eines Schuldscheindarlehens nicht die Änderung der Rechtsform des Unternehmens. Sie erspart somit von vornherein, anders als unter Umständen ein Börsengang, etwaige gesellschaftsrechtliche Veränderungen.

Mittelstandsanleihen unterscheiden sich von klassischen Bankkrediten oder Schuldscheindarlehen, bei denen regelmäßig die Gewährung von Sicherheiten und/oder die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln bzw. Finanzrelationen oder Change of Control-Klauseln für den Fall des Wechsels der Mehrheitsverhältnisse vorgesehen sind. Insofern haben Sicherungsübereignungen oder Forderungsabtretungen auch unmittelbaren Einfluss auf den operativen Handlungsspielraum des Kreditnehmers, der durch die geforderten Sicherheiten nicht unerheblich eingeschränkt werden kann. Zusätzliche operative Freiheit bietet die Mittelstandsanleihe gegenüber Bankdarlehen in Fällen, in denen Bank- oder Schuldscheindarlehen eine Zweckbindung der Darlehenssumme vorsehen.

Objektiv betrachtet ist das Konstrukt der Mittelstandsanleihe insofern keine neue Erfindung, als Schuldverschreibungen seit Jahren von Unternehmen als Finanzierungsbaustein genutzt werden. Dass Emissionen von Mittelstandsanleihen dennoch seit 2010 so häufig zu beobachten sind, liegt daran, dass verschiedene öffentliche Kapitalmarktplätze eigene Segmente für die Emission von Anleihen mit deutlich niedrigeren Mindestvolumina im Vergleich zu klassischen Unternehmensanleihen eingeführt und damit zu einer verbreiterten Basis von potenziellen Anlegern beigetragen haben.

Vor dem Hintergrund, dass die Laufzeiten der Mittelstandsanleihen regelmäßig mit fünf bis sieben Jahren und einer endfälligen Tilgung ausgestaltet werden, ermöglichen sie eine laufzeitgebundene Planungssicherheit. Die konkreten Überlegungen und das Abwägen des Für und Wider können nur unter Hinzuziehung erfahrener Berater erfolgen. In diesem Prozess werden auch entscheidende Weichen gestellt, damit die Emission für Unternehmen und Anleger ein Erfolg wird.

Teile diesen Artikel

Journalist

Enno Heidtmann

Weitere Artikel