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Prof. Dr. Klemens Skibicki, Wirtschaftshistoriker und Experte für Digitalisierung und Mitgründer der Convidera GmbH. DIGITALISIERUNG

Mittelstand hinkt Digitalisierung hinterher

Im deutschen Mittelstand ist das Bewusstsein für den alle Bereiche betreffenden Strukturwandel kaum angekommen. Das könnte sich in wenigen Jahren bitter rächen.

„Viele erkennen den Strukturwandel noch nicht in seiner Gänze.“

Nicht nur Deutschland, ganz Europa ist beim „digitalen Führen“ weit zurück. Was in Amerika und Asien längst zum Alltag gehört, belächelt man in Europa beinahe: dass Digitalisierung mehr bedeutet, als nur ein Smartphone zu haben – es bedeutet, dieses auch als berufliches Kommunikationsmedium zu nutzen.

Wir befinden uns derzeit in einem der größten Veränderungsprozesse seit über hundert Jahren, im Übergang vom Industriezeitalter zum „Social-Zeitalter“. Das zu erkennen erfordert eine gewisse Offenheit und die Bereitschaft, diese Veränderungen zu seinem Vorteil zu nutzen. „Doch der deutsche Mittelstand befindet sich in einer klassischen Phase der Desorientierung“, sagt Prof. Dr. Klemens Skibicki, Wirtschaftshistoriker und Experte für Digitalisierung und Mitgründer der Convidera GmbH. „Viele erkennen den Strukturwandel noch nicht in seiner Gänze.“

Doch wer auf die Veränderungen nicht reagiert, dem könnte in wenigen Jahren das Wasser bis zum Halse stehen. „Wir sind Old Europe“, sagt Prof. Skibicki. „Wir fahren Champagner trinkend auf der Titanic und steuern auf den Eisberg zu – sehen ihn aber immerhin!“ Der Wirtschaftshistoriker hat sich ausgiebig mit dem Übergang vom Agrarzeitalter zum Industriezeitalter beschäftigt. Auch damals haben viele Unternehmer die kommende Industrialisierung negiert und verschwanden alsbald von der Bildfläche. „Wir sind derzeit im Übergang zur Netzwerk-Ökonomie“, so Prof. Skibicki. „Wir handeln nach den Rahmenbedingungen des Industriezeitalters, für das diese sehr gut passten.“ Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend geändert: Ehemals gut funktionierende Wertschöpfungsketten, Hierarchien und Kommunikationswege von oben nach unten funktionieren nicht mehr, heute wird in digital vernetzten Strukturen nach allen Seiten hin kommuniziert – und das rasend schnell und transparent.

Kunden tauschen sich heute millionenfach über Produkte aus, sie empfehlen sie oder warnen vor ihnen. Internet der Dinge, Smartphone und Social Media stellen die prägenden Rahmenbedingungen aller Unternehmen dar und sind nicht als Spielereien sondern als ganzheitliche und komplex verbundene Systeme mit eigener Kulturtechnik zu verstehen.

Google ist gerade zum wertvollsten Unternehmen der Welt gekürt worden und damit steht erstmals ein Unternehmen an der Spitze, das nicht mit physischen Produkten handelt sondern mit datenbezogenen Werten. Die Führungsebene des deutschen Mittelstandes muss allmählich verstehen, dass Social Media Verständnis überlebenswichtig ist, um diese Big Data, die von Milliarden Menschen produziert werden, in Smart Data umzuwandeln.

„Der deutsche Mittelstand besteht zum großen Teil aus familiengeführten Unternehmen“, so Prof. Skibicki. „Ein Vorteil, denn sie denken langfristig, haben kurze Entscheidungswege und können Maßnahmen mit voller Kraft umsetzen und in geordnete Prozesse lenken. Genau dies muss bei der Transformation ins digital vernetzte Zeitalter geschehen.“

Fakten

Fakten

Laut einer aktuellen Studie des Pew Research Center mit mehr als 46.000 Menschen in 40 Ländern rangiert Deutschland bei der Nutzung von Social Media zusammen mit Pakistan auf dem letzten Platz. Zudem nutzen auffällig wenig höher Gebildete Social Media. In allen anderen Ländern sind diese dagegen überrepräsentiert. Tipps für den Mittelstand unter karrierebibel.de/social-media-im-mittelstand

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Journalist

Katja Deutsch

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