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Sanja Stankovic, Mitbegründerin der privaten Startup-Plattform Hamburg Startups. MANAGEMENT

Kiezromantik und viele bunte Scheine

Startups@Reeperbahn bringt im September zum fünften Mal Gründer und Investoren zusammen – in einem spannenden Pitch, bei dem es um Kontakte und sehr viel Geld geht.

Millionenschwere Investoren in ein Stundenhotel auf der Reeperbahn zu bitten, um dort mit Gründern Deals zu verhandeln – was sich anfangs kaum einer vorstellen konnte, hat sich dank des leidenschaftlichen Einsatzes von Hamburg Startups in Form von Startups@Reeperbahn zu einem Mega-Erfolg entwickelt. „Warum sollte die Verbindung aus Musik, Kunst und Geldgebern, wie sie sich beim South by Southwest Festival (SXSW) in Austin etabliert hat, nicht auch in Hamburg funktionieren? Ich habe vor fünf Jahren den Pitch dazu entwickelt und versucht, diese beiden grundverschiedenen Ökosysteme Musik und Wirtschaft zusammen zu bringen“, erzählt Sanja Stankovic, Mitbegründerin der privaten Startup-Plattform.

„Was wir in Hamburg haben, sind jede Menge Ideen hier und jede Menge Geld dort – die Stadt in Deutschland mit den größten Gegensätzen.“ Die Kulturwissenschaftlerin und Digitalexpertin kontaktierte Mittelständler, Familienunternehmen, Banken, Wirtschaft- und Beteiligungsgesellschaften und auch den einen oder anderen Millionär aus der Hansestadt. Viele fanden die Idee, einen Startup-Wettbewerb in Kooperation mit dem Reeperbahn Festival zu veranstalten, so verrückt, dass sie zusagten. Und noch weitere mögliche Investoren mitbrachten. „Zudem haben wir wahnsinnig viel Unterstützung aus der Startup-Szene bekommen. Der Pitch war der Startschuss für die Gründung von Hamburg Startups“, schwärmt die agile Initiatorin. 

Bewerbungen zu dem großen Pitch kommen aus ganz Europa, Hamburg ist dabei auch im fünften Jahr sehr stark vertreten. Aus den inzwischen rund 150 Einreichungen werden in einem aufreibenden Auswahlprozess, bei dem Innovationsgrad und Geschäftsmodell von einem sehr hochkarätigen, 30köpfigen Kuratorium bewertet werden, rund 30 Gründer ausgewählt. „Was unser Kuratorium auszeichnet, sind ein hoher Frauenanteil und eine sehr breite Expertise. Wir haben darin unter anderem Wirtschafts- und Startup-Journalisten, Investoren und Vertreter aus Inkubatoren und Acceleratoren,“ so Sanja Stancovic. „Das sind Leute, die zum Teil seit 20 Jahren sehr tief in der jeweiligen Materie verankert sind. Von den 30 in der ersten Runde ausgewählten Gründern bleiben nach sehr harten Diskussionen fünf übrig, die dann auf der Bühne im September pitchen werden.“ 

Diese Finalisten präsentieren vor über 200 Investoren und Invest-Managern ihre Idee und kämpfen dabei auch um den WELT-Mediapreis von 100.000 Euro. Doch letztendlich profitieren alle Teilnehmer von der einzigartigen Möglichkeit zum Networking und der Anbahnung von Business-Tête-à-Têtes – die dieses Jahr wieder in „Startup-Love-Boxen“ statt finden werden, in kultigen Airstream-Wohnwagen, die nach Abriss der Essohochhäuser und dem dazugehörigen Stundenhotel als charmante Location dienen. 

Gerade aus den Bereichen Gesundheit und Fintech kommen viele brandneue Ideen: Mit einer App, die Musik filtert, um im Gehirn Frequenzen zur Minimierung von Tinnitus einzusetzen, wurde beispielsweise die Hamburger Sonormed GmbH mit „Tinnitracks“ so erfolgreich, dass sie nicht nur im Anschluss beim SXSW in Austin abräumten sondern mit ihrer Idee auch die erste App auf Rezept in Deutschland etablierten. Mit einem tollen Produkt und einem leidenschaftlich präsentierten Pitch, der eine Millionenspritze zur Folge hatte, die das Startup auf eine einzigartige Erfolgswelle hob – auf der Reeperbahn, nachts um halb eins.

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Journalist

Katja Deutsch

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