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Joko Winterscheidt, Moderator und Investor MANAGEMENT

"GoButler läuft und läuft – in den USA und in Kanada" – Joko Winterscheidt

Joko Winterscheidt macht nicht nur die coolsten Sendungen des deutschen Fernsehens, er investiert auch gerne in Startups, die er gut findet.

„In Deutschland gehen die Menschen mit einer Niederlage ganz anders um als in Amerika.“

Die Idee war brilliant. Lästige Aufgaben wie das Buchen des günstigsten Fluges nach New York oder die Suche nach überall ausverkauften Winterstiefeln in Größe 41 werden per SMS an einen digitalen Butler delegiert, der sich schnell der Anfrage annimmt und im Handumdrehen die beste Lösung anbietet. Dieser Service ist für den User kostenlos, die Unternehmen zahlen einen Anteil an den entstehenden Kosten und sparen sich dadurch teure Werbekampagnen.

Navid Hadzaad realisierte mit zwei weiteren Gründern im März 2015 diesen SMS-basierten Concierge-Service GoButler – ein erfolgversprechendes Berliner Startup, das alsbald illustre Investoren überzeugen konnte. Joko Winterscheidt, der zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf mit Circus Halligalli eine der frischesten und lustigsten Shows des deutschen Fernsehens macht, gab GoButler sein Geld – und sein Gesicht. Der beliebte Moderator lebt in Berlin, ist wegen der vielen Drehtage jedoch oft unterwegs.

Das Potential des digitalen Butlers wurde als riesig bewertet und führte bei der ersten großen Investorenrunde zu einer Invest- mentspritze von acht Millionen Dollar und der Verlegung der Firmenzentrale von Berlin nach New York. Die Schauspieler Ashton Kutcher und Jared Leto stiegen genauso ein wie Global Founders Capital und Cherry Ventures.

Doch im Januar wurde plötzlich das Ende von GoButler in Deutschland verkündet. „In Deutschland hat es nicht so funktioniert wie erwartet“, sagt Joko Winterscheidt. „Manchmal muss man feststellen, dass verschiedene Prozesse sich nicht wie gedacht realisieren lassen.“ Um wirtschaftlich rentabel zu sein, hätte man noch viel mehr Mitarbeiter gebraucht oder die Abläufe automatisieren müssen. Letzteres passiert jetzt in den USA und Kanada, wo GoButler sehr erfolgreich agiert.

„Welches Berliner Startup hat denn schon den Sprung über den großen Teich geschafft?“ fragt der unternehmungslustige Moderator. „In Deutschland gehen die Menschen mit solch einer Niederlage nur ganz anders um als in Amerika. Dort heißt es: Toll, du warst mutig, du hast etwas gewagt und etwas zustande gebracht! Bei uns dagegen gilt man als totaler Loser, wenn man den Markt wieder verlässt.“ Ein Artikel im Magazin Tech Crunsh, einem amerikanischen Onlinemagazin für Startups, äußerte sich zu dem Verlassen des deutschen Marktes von GoButler durchweg positiv. Der amerikanische Markt ist fünfmal so groß und bietet vielen Unternehmen allein deshalb bessere Chancen.

Neun von zehn Startups überleben nicht, doch wer auf das richtige Pferd setzt, kann wie Bono, Sänger von U2, jubeln: durch seine frühzeitige Investition in Facebook-Aktien hat er inzwischen mehr verdient als in seiner gesamten musikalischen Laufbahn.

Um Joko Winterscheidt als Investor ins Boot zu bekommen, muss ihm die Geschäftsidee genauso zusagen wie das Team. „Ich habe ein paar Berater an meiner Seite, und wir evaluieren gemeinsam: Ist das smart? Ist das ein interessanter Markt? Wird dieser Markt schon von anderen bedient? Bin ich dafür überhaupt der richtige Ansprechpartner?“ Die Lust auf Neues ist groß, auch wenn er sich weigert, Bilanzen zu lesen und sich auch nicht vorstellen kann, in eine als sehr zukunftsträchtige, aber todlangweilige Idee zu investieren.

„Ich habe ja auch nur eine sehr bestimmte Zielgruppe, die ich erreichen kann. Dazu gehört nicht der 65jährige, gut betuchte Herr. Wenn ich investiere, dann soll dem Team mein Gesicht genauso helfen wie mein Geld.“ Das „Brillengesicht des Jahres 2015“ hat mit seinen knapp 1,4 Millionen Followern bei Twitter und über 1,5 Millionen Freunden bei Facebook enorme Reichweite, was für ein Startup unter Umständen weit wertvoller sein kann als die finanzielle Unterstützung.

Das Sockenlabel „von Jungfeld“ hat es geschafft, den 37jährigen medialen Draufgänger ins Boot zu holen. „Kürzlich gaben die eine kleine Party. Das war wie mit Freunden rumhängen, ein toller Abend. Socken braucht jeder, ‚von Jungfeld’ macht coole Socken – ich sehe hier großes Potential.“ Denn seine Investitionen sind ja kein spaßiger Zeitvertreib wie Pferderennen, bei dem sich der Adel früher vergnügt hat: Spielgeld in die Hand nehmen und hoffentlich auf das richtige Pferd setzen, Gewinn einstecken. „In ein Startup zu investieren, ist für mich eine andere Art der Altersvorsorge. Bei der Geldanlage ist die Streuung wichtig. Diversifizierung ist alles. Und wenn Idee und Team gut sind, habe ich definitiv große Lust, in weitere Startups zu investieren!“

Fakten

Fakten

Joko Winterscheidt und sein Kollege Klaas Heufer-Umlauf produzieren ihre Shows mit ihrer Firma FLORIDA TV selbst, er investiert in das Sockenlabel „von Jungfeld“ und in den SMS-basierten Concierge-Service GoButler, der seit Januar 2016 ausschließlich in den USA und in Kanada verfügbar ist und dort sehr erfolgreich läuft.

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Journalist

Katja Deutsch

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