Weekly News

Claudia Wagner arbeitet als Interim Manager – die „Feuerwehr“ für unterschiedlichste Firmen. MANAGEMENT

Interim Manager – viel mehr als nur ein Lückenbüßer

Rund 15.000 Top Manager gehen in Deutschland keiner geregelten Beschäftigung nach. Sie arbeiten als Interim Manager und sind die Einsatzreserve, wenn Unternehmen sie für Projekte oder Übergangsphasen benötigen.

„Man muss das kalte Wasser mögen und den Job sofort machen können.“

Claudia Wagner ist seit fast zwei Jahren selbstständig. Die gelernte Journalistin und Bankkauffrau arbeitet als Interim Manager. Viele Jahre war sie bei Reemtsma und dem Chemieriesen Sasol fest angestellt. Jetzt arbeitet sie als „Feuerwehr“ für die unterschiedlichsten Firmen. „Ein Interim Manager muss das kalte Wasser mögen, innerhalb kürzester Zeit müssen sie sich in einem neuen Job oder sogar in einer ganz anderen Branche zurechtfinden“, sagt Claudia Wagner (45). „Das ist sehr spannend und herausfordernd. Ich muss den Job sofort machen können“, erklärt die ehemalige Journalistin.

Mehr als 15.000 Topmanager in ganz Deutschland arbeiten als Interim Manager (Quelle: Dachgesellschaft Deutsches Interim Management, DDIM). Manchmal dauert ihr Gastspiel in einer Firma nur wenige Wochen, doch oft werden sie für sechs bis zehn Monate oder sogar noch länger verpflichtet. Eine nicht ganz billige Angelegenheit für die Firmen, die schnelle Hilfe bei den unterschiedlichsten Projekten benötigen. Die Tageshonorare liegen zwischen 1.000 und 1.300 Euro. Viele Interim Manager werden über so genannte Interim-Provider vermittelt. Das ist für alle Seiten von Vorteil. Die Agentur hat das Netzwerk und die Manager ihre Erfahrungen und Fähigkeiten. „Ich sehe diese Provider als wichtigen Partner zur Generierung von Aufträgen. Ein ständiger und guter Austausch sind die Voraussetzungen für eine gute Partnerschaft. Je besser wir uns kennen und je mehr der Provider um meine Fähigkeiten weiß, umso erfolgreicher ist die Zusammenarbeit für beide Seiten“, erklärt Claudia Wagner.

Doch ganz auf die Vermittlung durch die Provider sollten sich Neulinge in diesem Geschäft nicht verlassen. Ganz wichtig für viele Interim Manager ist das eigene Netzwerk an Kontakten, das im Laufe der Berufsjahre aufgebaut wurde. Da kann es schon mal bis zu ein Jahr dauern bis ein Auftrag erteilt wird und der Provider fündig geworden ist. Wer da auf seine eigenen Kontakte zurückgreifen kann, ist klar im Vorteil. Claudia Wagner hat sich zusätzlich noch mit einigen Kollegen zu einer Sozietät mit dem Schwerpunkt Kommunikation und Marketing zusammengeschlossen. „Das ist ein Zusammenschluss von Interim Managern mit dem Ziel, gemeinsam stark am Markt präsent zu sein. Man muss in diesem Beruf immer auf sich aufmerksam machen“, so die ehemalige Leiterin einer Public Affairs Abteilung.

Der Markt für Interim Manager ist in Deutschland gut. Immer öfter benötigen die Firmen und Unternehmen kurzfristig Hilfe bei Projekten. Die Experten schätzen, dass der Markt und der Bedarf an guten Interim Managern in den nächsten Jahren stark steigen wird. 

„Ich habe die Entscheidung aus vollem Herzen getroffen. Ich bin das mit Leib und Seele, nicht weil ich zum alten Eisen gehöre, sondern weil ich gerne neue Herausforderungen bewältigen möchte“, betont Claudia Wagner. Noch ist dieser Beruf sehr männlich dominiert. Doch immer mehr Frauen in Führungspositionen drängen auch in das Interim Management und machen hier ihren Weg, so wie die 45-jährige Claudia Wagner.

Fakten

Fakten

Die Interim-Provider in Deutschland erwarten für das Geschäftsjahr 2017 ein großes Wachstumspotenzial. Der Umsatz soll am Ende bei 2,2 Mrd. Euro liegen. Besonders der Bereich Führungskräfte für den Mittelstand wachse stark an, laut einer Studie AIMP der Interessenvertretung professioneller Dienstleiter im Interim-Management.

Teile diesen Artikel

Journalist

Jörg Wernien

Weitere Artikel