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Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor, Institut der deutschen Wirtschaft Köln MANAGEMENT

"Deutschland braucht Gründer – und zwar dringend"

„Vor allem in den Hochtechnologiebranchen sind es oft die Startups, die Innovationen entwickeln.“

Junge, innovative Unternehmen leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, unsere wirtschaftliche Stärke zu erhalten und auszubauen. In Zeiten eines immer schnelleren strukturellen Wandels und fortschreitender Digitalisierung sind Startups so wichtig wie nie zuvor.

Technischer Fortschritt in Form von Innovationen ist sowohl für die internationale Wettbewerbsfähigkeit als auch für langfristiges wirtschaftliches Wachstum unabdingbar. Er kann helfen, Ressourcenknappheit zu überwinden und mit der Herausforderung der demografischen Entwicklung umzugehen. Technischer Fortschritt erfordert aber auch Investitionen. Gerade daran hapert es in Deutschland: Viele der etablierten deutschen Unternehmen investieren zu wenig und zu selten in Innovationen.

Startups sind vor diesem Hintergrund von besonderer Bedeutung. Vor allem in den Hochtechnologiebranchen sind es oft die Startups, die Innovationen entwickeln. Sie haben im Vergleich zu etablierten Unternehmen einen größeren Anreiz, in neue Technologien zu investieren und möglichst innovativ zu arbeiten. Etablierte Firmen müssen fürchten, dadurch ihre bereits getätigten Investitionen in Technologien zu entwerten; Startups haben dieses Problem nicht. Sie sind damit essenziell für die Schaffung von Innovationen in Deutschland und die Diffusion neuer Technologien in der deutschen Wirtschaft.

Dennoch geht die Anzahl der Gründungen seit mehreren Jahren zurück. Im ersten Halbjahr 2015 gab es gerade einmal knapp 159.000 Existenzgründungen in Deutschland, fast acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Politik tut zu wenig, um die Rahmenbedingungen für Gründungen attraktiv zu machen. So ist das im Koalitionsvertrag vereinbarte Venture-Capital-Gesetz weiter Zukunftsmusik.

Aber es gibt auch viele gute Nachrichten: Berlins Gründerszene ist einzigartig in Europa. Längst hat die deutsche Hauptstadt der Londoner Konkurrenz die europäische Startup-Krone abgeluchst, so gingen 2015 über 3 Mrd. Euro frisches Kapital dorthin, nur 1,7 Mrd. Euro nach London. Mehrere deutsche digitale Startups sind in den vergangenen Jahren in die Reihe der mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewerteten Unternehmen aufgestiegen. Dazu kommen zahlreiche Hidden Champions in unterschiedlichen Geschäftsfeldern. Diese Entwicklung zeigt, dass erfolgreiche Gründungen in Deutschland möglich sind. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre dieser Publikation.

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Journalist

Prof. Dr. Michael Hüther

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