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David Ruisinger, Miriam Theobald und Marcel München von dongxii.com MANAGEMENT

Frauenpower bei Neugründungen

Immer mehr Frauen machen sich selbstständig. Schon an den Universitäten werden sie gefördert und ermuntert nach der Uni ein eigenes Unternehmen zu gründen.

„Leider fehlt in Deutschland noch die Einsicht, dass man auch mal scheitern kann.“

Johanna Ludwig hat es geschafft. 2013 gründete sie mit zwei Partnern ihre eigene Firma. Über ein Forschungsprojekt an der TU Berlin fand sie die passenden Partner für eine Unternehmensgründung. Sie hatten ein Verfahren zur Säuberung von mit Öl verschmutzen Wassers entwickelt und sind damit an den Markt gegangen.

„Wir wollten mit unserem Produkt unbedingt weitermachen. Dann haben wir uns schlau gemacht, Fördergelder beantragt und auch bekommen. Das Stipendium hat uns sehr geholfen, heute können wir gut davon leben, haben bereits 15 Mitarbeiter“, sagt Johanna Ludwig, die technische Leiterin und Gründerin von „Akvola Technologies“ in Berlin.

Der Weg von Johanna Ludwig ist heute fast schon normal in Deutschland. Immer mehr Frauen machen sich, wenn sie ihr Studium oder ihre Ausbildung beendet haben, selbstständig, gründen kleine Firmen, setzten ihre Ideen um. Für Johanna Ludwig was es mit dem Stipendium leicht, doch oft ist es für Frauen mit guten Ideen schwer einen Geldgeber oder Accelerator zu finden.

„Das ist in vielen Situationen tatsächlich so“, sagt Prof. Dr. Stephanie Birkner. Die promovierte Expertin untersucht genau die Gründe ob unternehmerisches Handeln geschlechtsspezifisch ist. „Der Zugang zu Partnern ist noch einfach. Die „Startup Gemeinschaft“ prägt aber ein starkes maskulines Erfolgsbild des unternehmerischen Handelns und Denken. Da haben es feminine Charaktere eindeutig schwerer“.

Wenn Männer eine Firma gründen, dann passiert das oft sehr schnell. Sie begründen ihre Risikoentscheidungen auf ganz anderen Faktoren als die Frauen findet die Forscherin, Dr. Birkner. „Vergleichbar ist es vielleicht mit Studien, die sich mit dem Unterschied in der Bewerbungsreaktion von Frauen und Männern beschäftigen. Männer zeigen hier eine sehr viel höhere Toleranz gegenüber Unterschieden des eigenen Profils zur ausgeschriebenen Stelle und den dort formulierten Erwartungen. Ähnliches ist für das Selbstverständnis das Frauen in Hinblick auf Gründung entwickeln anzunehmen. Es braucht einen Abgleichwert, an dem sie sich orientieren können. Hier mangelt es aber an guten Vorbildprofilen guter Gründerinnen“, erläutert Stephanie Birkner.

So ein Vorbildprofil könnte die 31-jährige Miriam Theobald aus Berlin sein. Zusammen mit zwei Männern hat sie eine B2C Plattform für den chinesischen Markt gegründet. In den nächsten Wochen wird sie die Unterstützung durch das Gründerstipendium nicht mehr bekommen, doch einige potente Kapitalgeber stehen schon bereit um das „Startup“ mit frischem Geld zu versorgen.

„Schon mein Studium hat mich eigentlich zu 100 Prozent auf das Thema Deutsch-Chinesische Wirtschaftsbeziehungen vorbereitet. Die Idee für das Unternehmen ist uns im Auslandssemester gekommen. Bis zur tatsächlichen Gründung hat es noch ein paar Jahre gedauert, aber seit Januar sind wir am Markt und haben bereits mehrere tausend Nutzer“, erklärt Miriam Theobald kurz ihren Werdegang. Bachelor, Master und jetzt mit 31 Jahren die eigene Chefin im eigenen Unternehmen. Was würde sie anderen Frauen raten die vielleicht auch sehr gute Ideen haben, aber sich nicht recht in eine Selbstständigkeit trauen.

„An vielen Unis in Deutschland werden Gründerinnen und Gründer gut unterstützt. Leider fehlt in Deutschland noch die Einsicht, das man auch mal scheitern kann, dafür muss man sich nicht schämen. Nur wer wagt kann auch neue Innovationen schaffen und Deutschland bietet dafür sehr gute Möglichkeiten. Ich kann nur jedem raten, egal ob Mann oder Frau, sich in Deutschland selbstständig zu machen“, rät die junge Gründerin, Miriam Theobald. 

Doch ein Problem schaffen auch gute Bedingungen für Gründerinnen nicht so leicht aus der Welt. Was passiert bei einem Kinderwunsch – wer leitet dann die Firma weiter – wer unterstützt und wer nicht.

„Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen spreche muss ich gestehen, ist schon häufig Unsicherheit zu hören, ob beides vereinbar ist und wenn ja ob und wie mit Unterstützung zu rechnen ist. Und auch ich komme ehrlich gesagt das ein oder andere Mal an die Grenzen der Vereinbarkeit“, sagt die Junior Professorin Stephanie Birkner. Und auch Miriam Theobald findet, es könnte in Deutschland für werdenden Mütter in der Gründerszene besser laufen. 

„Man hat eine ganz andere Verantwortung gegenüber den Partnern, Investoren und Mitarbeitern. Das könnte in Deutschland schon besser unterstützt werden, aber auch die männlichen Gründer sind von der gleichen Problematik betroffen. Man trägt einfach extrem viel Verantwortung und die schlägt sich auch auf das private Leben nieder“, erklärt Miriam Theobald ihre Position.

In China, so Miriam Theobald, sind Frauen als Gründerinnen und Geschäftsführerinnen total normal. Etwas was wir in Deutschland vielleicht von China noch lernen können.

Fakten

Fakten

Nie war es in Deutschland so leicht sich selbstständig zu machen. Wer gute Ideen hat oder ein tolles Produkt entwickelt, kann sich bei vielen Institutionen um Fördermittel oder Stipendien bemühen und bewerben. Auch viele Universitäten beraten Gründerinnen und Gründer im Studium. Dazu kommt eine sehr lebendige Gründerszene, die auch Unterstützung gibt.

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Journalist

Jörg Wernien

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