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Ein unzureichendes Verständnis der Begriffe Auslandsentsendung und Dienstreise samt zugehöriger steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Einordnung kann kosten. BUSINESS MOBILITY

Fallstricke beim Auslandseinsatz

Dienstreise und Entsendung müssen rechtlich anders behandelt werden.

Um die 800.000 deutsche Unternehmen sind im Außenhandel tätig, davon haben über 10.000 Unternehmen ihren Sitz im Ausland. Da Mitarbeiter vor Ort oftmals nicht über die erforderliche fachliche Expertise verfügen, werden fast immer Spezialisten aus Deutschland geschickt. 2015 wurden Waren im Wert von 1,196 Billionen Euro exportiert, der Wert der importierten Waren lag bei 948 Milliarden Euro.

Einfach mal eben jemanden in ein Werk zu schicken, kann jedoch für ein Unternehmen zur tickenden Zeitbombe werden. Denn ein unzureichendes Verständnis der Begriffe Auslandsentsendung und Dienstreise samt zugehöriger steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Einordnung kann kosten – nicht nur enorm hohe Nachzahlungen, sondern auch den Mitarbeiter.

Wird ein Mitarbeiter ins Ausland geschickt, greifen Steuerrecht wie auch Sozialversicherungsrecht. Normalerweise gelten Dienstreisen, die maximal drei Monate dauern, als unproblematisch, da die Zahlung der mit der Reise verbundenen Zulagen nicht versteuert werden muss. Im sozialversicherungsrechtlichen Sinne sind jedoch alle Personaleinsätze im Ausland Entsendungen (jur. „Ausstrahlungen“). § 4 SGB IV 4 des Sozialversicherungsrechts besagt, dass 1. die weisungsgemäße Aufnahme einer Tätigkeit, 2. in einem anderen Land als der BRD, 3. für einen in Deutschland ansässigen Arbeitgeber und 4. im Rahmen eines inländischen Beschäftigungsverhältnisses als Entsendung beurteilt wird.

Erst wenn es um die Zuordnung von Sozialversicherungsbeiträgen geht, müssen bestimmte Fristen beachtet werden. So werden Mitarbeiter, die länger als 24 Monate in EU- oder EWR-Staaten für ihren Arbeitgeber eine Tätigkeit außerhalb ihres Heimatlandes ausüben, im Einsatzland sozialversicherungspflichtig, verlassen also das deutsche Sozialversicherungssystem.

Nach einer dreimonatigen Dienstreise müssen mindestens zwei Monate Pause liegen, in der der Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt wird. Ist dem nicht so, muss der Arbeitgeber von der zuständigen Krankenkasse eine Bescheinigung über die anzuwendenden Vorschriften über die soziale Sicherheit (Vordruck A 1) anfordern. Mit dieser Bescheinigung führt das Unternehmen ordnungsgemäß die Pflichtbeiträge des Mitarbeiters in das deutsche Sozialversicherungssystem ab, sodass der Mitarbeiter weiterhin im deutschen System versichert bleibt – allerdings nur für maximal 24 Monate.

Wer als deutscher Mitarbeiter im Ausland bei seiner beruflichen Tätigkeit ins Visier der Behörden gerät und die A1-Bescheinigung nicht vorweisen kann, gilt als illegal beschäftigt. Für den deutschen Arbeitgeber kann das als Sozialversicherungsbetrug ausgelegt werden.

Versicherungsrechtliche Auswirkungen einer Entsendung hängen davon ab, in welchen Staat der Arbeitnehmer entsendet wird. Der Gesetzgeber unterscheidet hier zwischen Staaten mit EU-Recht, Staaten mit Abkommen und dem vertragslosen Ausland. Die Bundesrepublik Deutschland hat mit einer Vielzahl von Staaten Vereinbarungen über Soziale Sicherheit geschlossen, von den USA bis Mazedonien, von Tunesien bis Chile. Genaue Informationen findet man bei der IHK und den Krankenkassen.

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Journalist

Katja Deutsch

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