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„Es wird Zeit für Größeres“

Seit mehr als 20 Jahren investiert Frank Thelen in innovative Ideen und die Menschen dahinter. Ein Gespräch über Wege, unsere Welt zu verändern. 

„Scheitern ist nicht hip, das ist immer schlecht und sollte nicht gefeiert werden, doch es sollte als Option bestehen, damit man außerhalb der Komfortzone neue Dinge probieren kann.“

„Noch nie zuvor hat es in Deutschland so viele Gründer gegeben, noch nie so viele Arbeitsplätze durch Startups – und noch nie so viel Wagniskapital, um die jungen Unternehmen auf die richtigen Gleise zu setzen.“ Frank Thelen zeichnet ein positives Bild vom aktuellen Klima in der deutschen Startup-Branche. Von neuen, teils hochspezialisierten Venture Fonds bis hin zu Prominenten, die ihr Kapital in eine frische Idee steckten – die finanzielle Ausgangslage sei hervorragend.

Dringend, mahnt Thelen, sei es nun an der Zeit, größer zu denken. Denn: „In Deutschland geht die Startup-Szene aktuell noch viele kleine Ideen an, Shoppingclubs, Innenarchitektur, Hundeprodukte. Die großen Technologiewellen haben wir bisher verpasst – Search, mobile, wir haben auch keine Social Company. Ein Unternehmen wie Zalando ist brillant, das ist ein großer Schritt und hat eine enorme Wirkung, aber es ist auch ein Copycat.“  Er räumt jedoch ein: „Das Silicon Valley hat Jahrzehnte gebraucht, um die aktuellen Technologien hervorzubringen. Gemessen daran ist die deutsche Szene noch in einem sehr frühen Stadium.“

Frank Thelen kennt die Branche aus zwei Perspektiven: Als Gründer von Technologieunternehmen wie Create Media, ip.labs oder Scanbot und seit 2014 auch als Investor mit seiner eigenen Risikokapital-Firma e42. Potential für bedeutende Entwicklungen durch Startups sieht der 41-Jährige in Themenfeldern wie der Speicherung von Energie, der Logistik und den Sicherheitstechnologien. „Wir haben gute Cluster etwa im Bereich IT-Security. Im Themenfeld der A.I., der künstlichen Intelligenz, haben wir Chancen, relevante Player zu werden – das Land der Dichter und Denker in der digitalen Zeit.“

Innovative Produkte allein machen jedoch noch keine Erfolgsgeschichte. Für Thelen sind die Menschen hinter den Ideen ein entscheidender Faktor: „Gründer“, so sagt der Investor, „müssen diesen Killer-Instinkt haben, sie müssen sicher sein: Das werden wir umsetzen, egal was uns im Weg steht.“ Wer mit einem neuen Business erfolgreich sein wolle, der müsse zu hundert Prozent von seiner Idee überzeugt und bereit sein, sich durchzubeißen. So wie Thelen selbst. „Entweder, man läuft durch die Welt und lässt sie so, oder man sagt sich, ich kann sie ändern. Welche Flugzeuge künftig fliegen zum Beispiel oder was wir essen. Man hat es in der DNA oder bekommt es wie ein Virus, dieses ‚Ich kann die Welt verändern‘.“

Frank Thelen hat sich das „Weltveränderungs-Virus“ früh eingefangen: Schon mit 18 Jahren gründete der Technologie-Experte sein erstes Unternehmen. Und musste im Laufe der Jahre auch das Scheitern von Projekten erleben. „Scheitern ist nicht hip, das ist immer schlecht und sollte nicht gefeiert werden, doch es sollte als Option bestehen, damit man außerhalb der Komfortzone neue Dinge probieren kann.“ In Deutschland sei diese Sichtweise noch nicht angekommen. Ob bei Neugründungen oder in großen Konzernen: Es regiere die Vorsicht – oft um den Preis des Fortschritts. Risikoreiche Investitionen, die wichtig seien, um große Erfolge zu erzielen, würden durch diese auf Sicherheit bedachte Strategie ausgebremst und Innovation verhindert.

Was ein zum Risiko bereiter Kapitalgeber und ein passionierter Gründer bewegen können, zeigt sich auch in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Als Investor sucht Thelen in der Show nicht nur Produkte, die ihn begeistern, sondern vor allem Menschen, die für ihre Geschäftsideen brennen. Ein perfektes Beispiel dafür: das Mode-Startup VON FLOERKE. Gründer David Schirrmacher überzeugte mit seinem Auftritt Frank Thelen, der gemeinsam mit Judith Williams investierte. „Ich habe genau diesen Instinkt bei ihm gesehen und wusste, er wird es allen zeigen, auch wenn viele meinten, es sei in der Branche kein Raum für ein weiteres Modelabel.“ Der Erfolg gibt ihm recht: Knapp zweieinhalb Jahre nach der Gründung ist aus dem Onlineshop für klassische Herrenaccessoires eine Marke geworden, die in zahlreichen Modehäusern und bei Herrenausstattern quer durch die Republik vertreten ist. 

Fakten

Fakten

Frank Thelen:

• europäischer Seriengründer, Technologie-Experte und Frühphasen-Investor
• hat mit seinen Produkten über 100 Millionen Kunden in mehr als 60 Ländern erreicht
• ist Investor in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“
• und war als leidenschaftlicher Skater am Bau der größten Halfpipe Europas in der Bonner Rheinaue beteiligt

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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