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Bernhard Rohleder vertritt die Branche unter anderem in den einschlägigen Gremien des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und im CeBIT-Messeausschuss. DIGITALISIERUNG

Unser Wohlstand hängt von der erfolgreichen digitalen Transformation ab

Die Digitalisierung hat längst Einzug ins Unternehmensumfeld gehalten. Industrie 4.0 und Internet of Things sind die Schlagworte. Beide beinhalten für Unternehmen grosses Potenzial, von Effizienzsteigerung und Flexibilitätsgewinnen in der Produktion bis hin zu besserer Customer Experience und Innovationsmöglichkeiten. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BITKOM e.V., zum Thema.

„Wer als Unternehmen in digitale Technologien investiert, sollte und muss auch in Datenschutz und IT-Sicherheit investieren“

Wo liegen die Herausforderungen in Hinsicht auf die IT-Sicherheit?
Der künftige Wohlstand und der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland hängen maßgeblich davon ab, wie erfolgreich und wie schnell wir die digitale Transformation bewältigen. Dabei geht es sowohl um die Digitalisierung von Geschäftsprozessen als auch um die Digitalisierung der Geschäftsmodelle. Während die Geschäftsprozesse etwa den Einsatz von digitaler Dokumentenverwaltung in der Buchhaltung oder die Nutzung von Cloud-Lösungen beim Zugriff auf Unterlagen für Außendienstmitarbeiter beinhalten, geht es bei den Geschäftsmodellen um völlig neue Produkte oder Dienstleistungen, die ein Unternehmen durch die Digitalisierung auf den Markt bringen kann.

Über das Thema Cloud Computing wird seit längerem diskutiert, vor allem auch vor dem Hintergrund der IT-Sicherheit. Auf welche Mindeststandards sollten Unternehmen achten und welche Vorteile haben die Cloudbasierten Lösungen? 
Cloud Computing ist über das Stadium des Diskutierens längst hinaus, zuletzt haben bereits 54 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern die Technologie eingesetzt. Cloud Computing bietet für viele Unternehmen große Leistungs- und sogar Kostenvorteile. So steht praktisch unbegrenzt Rechenleistung zur Verfügung, etwa in Spitzenzeiten, aber es wird nur das abgerechnet, was auch wirklich genutzt wird. Mit Cloud-Computing verfügen selbst ein Mittelständler oder ein Startup über die Rechenpower eines Global Players. Und da Cloud-Computing-Anbieter Top-Spezialisten beschäftigen, die ihre Server vor unberechtigtem Zugriff und Hacker sichern, sind die Daten dort in aller Regel sehr viel besser aufgehoben als auf den eigenen Servern, die oft mehr schlecht als recht geschützt sind.

Nach wie vor gehen Unternehmen aber auch Privatmenschen – manchmal unwissend – recht unbekümmert mit Daten um. Was raten Sie denjenigen, welche Mindeststandards sollte man beachten?
Wer als Unternehmen in digitale Technologien investiert, sollte und muss auch in Datenschutz und IT-Sicherheit investieren. Und wer digitale Technologien privat nutzt, sollte sich mit den Datenschutz- und Privatsphäre-Einstellungen der Dienste vertraut machen.

Die Digitalisierung verändert die gewohnten Modelle von Arbeiten. Wo denken Sie, wird die Reise hingehen und wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen, um die digitale Transformation hierzulande zu meistern?
Wenn wir von Digitalisierung und Arbeit sprechen, dann sprechen wir von Arbeit 4.0. Arbeit 4.0 heißt nicht, dass einfach alles und jedes durch selbstlernende Algorithmen oder Roboter erledigt werden kann. Arbeit 4.0 bedeutet schon gar nicht Massenarbeitslosigkeit – aktuell gibt es in Deutschland eine Rekordbeschäftigung, nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung. Arbeit 4.0 bedeutet Investitionen in die Köpfe. Wenn wir die digitale Transformation in Deutschland erfolgreich gestalten und unsere Führungsrolle in Leitbranchen wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau verteidigen wollen, dann müssen wir mehr in Bildung und Qualifizierung investieren.

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Ein wichtiges Thema ist die Ausbildung und Bildung von jungen Menschen in der digitalen Welt. Auf sie warten im Berufsleben ganz andere Heraus- und Anforderungen als noch vor zwanzig Jahren. Wie muss aus ihrer Sicht eine Ausbildung in der digitalen Transformationsphase aussehen? 

Wenn wir von Ausbildung in Zeiten der Digitalisierung sprechen, dann sind Politik, Unternehmen und jeder Einzelne gleichermaßen gefragt. Die Politik muss dafür sorgen, dass überhaupt eine Weiterbildungsfähigkeit hergestellt wird – mit Smart Schools und der Vermittlung digitaler Kompetenzen für alle. Die Unternehmen müssen eine Weiterbildungsstrategie rund um die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter erarbeiten und dafür auch entsprechende Mittel bereitstellen. Aber auch jeder Einzelne ist gefragt. Es geht darum, Weiterbildungsmöglichkeiten nicht nur zu nutzen, sondern Weiterbildung aktiv einzufordern.

Fakten

Fakten
Bernhard Rohleder, 1965 geboren, ist Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BITKOM e.V., den er vor vor 18 Jahren mit initiiert hat. Rohleder ist Mitglied des Beirats des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) und der Jury des Gründerpreises „Made in.de“. Er vertritt die Branche unter anderem in den einschlägigen Gremien des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und im CeBIT-Messeausschuss.



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Journalist

Frank Tetzel

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