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Eine Branche macht mobil

Der Travel Industry Club-Präsident Dirk Bremer beobachtet die Reisebranche mit Argusaugen. Für die Zukunft erwartet er einen moderaten Anstieg von Geschäftsreisen. 

Immer mehr Geschäftsreisende wünschen sich Mobilitätsketten von Tür zu Tür.

Er versteht sich als Querdenker, engagierter Themenbeweger und gesellschaftlicher Verbinder: Dirk Bremer hat 2005 den Travel Industry Club (TIC) gegründet. Seitdem steht er dem unabhängigen Wirtschaftsclub als Präsident vor. Zu den Themen, die die Reisebranche derzeit mit am meisten bewegen, zählt der Lobbyist einerseits die fortschreitende Digitalisierung. „Sprachassistenten sind derzeit auch in unserem Bereich stark im Kommen“, erläutert Bremer. Beispielsweise habe Swoodoo als erster Anbieter eine Applikation für „Alexa“ freigeschaltet. Zudem seien in vielen Businesstravel-Agenturen mittlerweile Chatbots eingeführt, mit denen die Kunden über einen Chat kommunizieren können.

Auch die Veränderung der Mobilität ist ein Thema, das die Reisebranche zurzeit auf Trab hält. Hintergrund: Vor allem in den großen Städten arbeitet die Politik an Maßnahmen zur Sauberhaltung der Luft sowie an der Förderung von E-Mobilität. Und infolge eines sich verändernden gesellschaftlichen Bewusstseins setzen sich Sharing-Modelle wie Airbnb und Co. zunehmend durch. „Das hat natürlich großen Einfluss auf das Reisen. Dazu kommt, dass sich immer mehr Geschäftsreisende Mobilitätsketten von Tür zu Tür wünschen. Mobilitätsträger erkennen, dass sie sich darauf einstellen müssen“, berichtet Bremer. Darüber hinaus würden viele Unternehmen derzeit daran arbeiten, ihre Buchungsprozesse nicht nur zu optimieren, sondern auch zu beschleunigen. Dank der Digitalisierung und der Technologisierung wird sich der „Speed of Innovation“ somit weiter potenzieren, prognostiziert Dirk Bremer.

Die rund 800 Mitglieder des TIC, allesamt Einzelmitglieder, sind führende Köpfe, Macher und Nachwuchstouristiker aus der Reisebranche. Dazu gehören Führungskräfte von Verkehrsträgern, Reiseveranstaltern und -vermittlern, Flughäfen, Verbänden, Technologieanbietern, Versicherungen und Beratungsunternehmen sowie aus der Hotellerie – dazu Pressevertreter und akademische Lehrbeauftragte. Der Club versteht sich als Networking-Plattform sowie als innovativer „Think Tank“, in dem komplexe Zukunftsthemen erörtert und Ideen entwickelt werden – und das auch mit dem Blick über den touristischen Tellerrand hinaus. Der TIC hat sich zum Ziel gesetzt, die wirtschaftliche Bedeutung der Reiseindustrie stärker ins Licht der Öffentlichkeit, der Medien und der Politik zu rücken. „Unsere Branche gehört zu den größten Wirtschaftsbereichen in unserem Land. Allein der Bereich Geschäftsreisen, in dem viele Mittelständler aktiv sind, bringt es auf einen Umsatz von rund 50 Milliarden Euro pro Jahr“, berichtet Dirk Bremer, der hauptberuflich in der strategischen Beschaffung bei einem großen Pharma-Konzern tätig ist.

Mit Blick auf die Zukunft erwartet er, dass das Thema Sprachsteuerung weiter an Bedeutung gewinnt und dass individuelle Reiselösungen, denen standardisierte Prozesse zugrunde liegen, gefragter werden. So sei beispielsweise in vielen Unternehmen die Einführung sogenannter Mobilitätsbudgets in Planung, weil diese ein Plus an Flexibilität für Geschäftsreisende bedeuten. Unter dem Strich erwartet der Branchenexperte für Deutschland einen moderaten Anstieg von Geschäftsreisen, auch wenn zum Beispiel in vielen Firmen inzwischen Videokonferenzen an der Tagesordnung seien. Das persönliche Gespräch könnten sie jedoch nicht ersetzen.

Dirk Bremer selbst unternimmt etwa 30 bis 40 Geschäftsreisen pro Jahr, unter anderem zu den Veranstaltungen des TIC, die den Mitgliedern Möglichkeiten zum branchenübergreifendenden Netzwerken geben und fachrelevante Themen beleuchten. Um sein Ziel zu erreichen, nimmt Bremer, der in Frankfurt lebt, mal den Flieger, mal den Zug – je nachdem, was gerade mehr Sinn macht. Die Beantwortung der Frage, was ihn auf Geschäftsreisen besonders nervt, kommt in Sekundenschnelle. Am meisten ärgert es Bremer, wenn er beim Einchecken im Hotel ellenlange Formulare ausfüllen muss – auch wenn er bereits bei einer Hotelkette zu Gast war. Oder wenn er am Morgen beim Auschecken zum Bezahlen im Hotel Schlange stehen muss. „Das wäre eigentlich nicht nötig, da gäbe es viele technische Möglichkeiten, um diese Situationen zu vermeiden“, so Bremer. Über Pünktlichkeit auf Reisen hingegen freut er sich sehr. Schließlich seien vor allem Geschäftsreisende in der Regel eng getaktet: „Privatreisende dagegen entschuldigen Verspätungen eher.“

Fakten

„We connect the Travel Industry“ – so das Credo des TIC. Der Club denkt die Zukunft der Reiseindustrie in einem Think Thank vor, fördert akademischen Nachwuchs und würdigt außergewöhnliche Leistungen in der Reisebranche mit Preisverleihungen, etwa auf der „Award Night” zur ITB in Berlin oder beim „Travel Industry Manager“ zum fvw-Kongress in Köln.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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