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Drei Experten zum Thema: effizientes Management


Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement

 Die Qualifikation und Ausbildung der für Fuhrparks zuständigen Mitarbeiter und die Weiterentwicklung vom Flotten- zum Mobilitätsmanagement werden wichtige strategische Themen sein. Der Dieselskandal hat hierbei zumindest einen Weckruf ausgelöst, intensiver über alternative Antriebe nachzudenken. Sobald Elektrofahrzeuge günstiger werden und Infrastruktur, Auflademöglichkeiten sowie Reichweiten sich verbessern, wird die Nachfrage auch hier steigen. Sie werden jedoch in absehbarer Zeit nicht das Gros der Fahrzeuge ersetzen können. Die Ausnahme sind gegebenenfalls Unternehmen aus der Energieversorgung – diese setzen heute schon hauptsächlich Elektrofahrzeuge ein. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe sind mit 100 Elektrofahrzeugen unterwegs. Für spezielle Einsätze in regional begrenztem Raum sind diese Fahrzeuge gut geeignet, wenn sie auch hier oftmals nicht wirtschaftlich arbeiten, sondern bis zu einem gewissen Grad dem Image geschuldet sind.

Intelligentes Flottenmanagement heißt nicht, x Dienstwagen mit x Dienstwagenfahrern zu betreuen. Das Management verschiebt sich immer mehr in Richtung Mobilitätsmanagement für das Unternehmen, bei dem im Fokus steht, wie man seine Mitarbeiter von A nach B bringt: Dabei werden der Öffentliche Nah- und Fernverkehr, Carsharing-Angebote oder sogar Pedelecs in die Mobilitätsplanung aufgenommen. Firmen prüfen dabei genau Effizienz, Wirtschaftlichkeit und auch Sicherheit. Denn auch die spielt bei Dienstreisen eine wichtige Rolle.


Kurt Sigl, Präsident und Vorstand Bundesverband eMobilität         

 Zukünftig werden Emissionsfreiheit und in ganz starkem Maße auch effizienteres Management mit Einbindung digitaler, intelligenter Tools eine große Rolle spielen und das klassische Fuhrparkmanagement mit Fuhrparkmanager nach und nach verschwinden lassen.

Das Ergebnis unserer kürzlich durchgeführten Studie zeigt, dass zwischen 25 und 30 Prozent aller Fahrzeuge eines durchschnittlichen Fuhrparks nicht genutzt werden.

 Ein Weg zu größerer Effizienz wäre, den Mitarbeitern selbstständigen Zugriff auf die Fahrzeuge zu ermöglichen. Auch der intelligentere Einsatz der Fahrzeuge wäre eine Option und die Frage, wo das Unternehmen steht und was es macht. Wie können die Mitarbeiter so eingebunden werden, dass sie die ungenutzten Fahrzeuge auch privat nutzen? Intelligente Möglichkeiten dazu existieren bereits und werden von verschiedenen Firmen sehr erfolgreich gehandhabt. Oft hapert es nur am Willen der Geschäftsleitung, sich damit auseinanderzusetzen.

 Elektromobilität wird innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre rasant zunehmen. Das Konstrukt „Eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020“ halten wir für realistisch, denn eMobilität ist unglaublich effizient und es lässt sich damit viel Geld sparen, gerade, was Wartungskosten anbelangt. Im Fuhrpark denkt man ja glücklicherweise anders und hat nicht nur die Anschaffungskosten im Blick, sondern auch die Folgekosten – und hier fährt man mit eMobilität eindeutig effizienter. Auch der Dieselskandal spielt Neuer Mobilität in die Hände und verstärkt Wahrnehmung und Umdenken.


Maik Böres, Vorsitzender der Fokusgruppe Connected Mobility des BVDW und
Leiter des Future Mobility Teams, Politik und Außenbeziehung von BMW

 Das Flottenmanagement der Zukunft wird viel stärker vernetzt sein und dadurch die Effizienz und Rationalisierung in hohem Maße steigern. Momentan beträgt die Usage Time der Fahrzeuge durchschnittlich nur vier Prozent. Die Nutzungsintensität der Fahrzeuge lässt sich erheblich steigern, indem man das Fahrzeugmanagement in Echtzeit steuert. Dadurch werden weniger Fahrzeuge benötigt und Parkraum freigespielt. Intelligentes Flottenmanagement muss alle Fahrzeuge miteinander vernetzen, was teilweise bereits dank integrierter SIM-Karten stattfindet. Noch einfacher geht es, wenn sich alle Fahrzeuge auch markenübergreifend über sichere Hersteller-Backends miteinander vernetzen lassen und der Betreiber dadurch jederzeit am Monitor den Standort des jeweiligen Fahrzeuges erkennen kann. Die BMW Group hat mit der Einführung von BMW CarData einen ersten Schritt in diese Richtung getätigt. Hier sehe ich großes Potenzial.

Bei Elektromobilität fehlen bisher wirkungsvolle Maßnahmen nach norwegischem Vorbild: Steuernachlässe sind das eine, eine funktionierende Ladeinfrastruktur, Vorrang auf bestimmten Spuren oder ein festes Kontingent begehrter Innenstadtparkplätze sind das andere – und schon kommt das Ganze sehr schnell ins Rollen. Etwas Vergleichbares brauchen wir auch in Deutschland. Eine große Hebelwirkung dürfte von dezidierten Ladesäulennetzwerken auf dem Firmengelände großer Unternehmen ausgehen. Auch Interimstechnologie halte ich für sehr wichtig, weil viele Menschen Berührungsängste mit neuer Technologie haben. Plug-in-Hybridfahrzeuge, die elektrisch und auch mit Verbrennungsmotor fahren können, sind hier ein guter Ansatz.

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Journalist

Katja Deutsch

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