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Diepholz bei eBay

Leuchtend rot und in großen Lettern springt einem im Logo der Stadt der Name entgegen. Dahinter die Skizze eines Turmes, auf dem keck ein Fähnchen weht. Es ist der Schlossturm der Wasserburg, mit der vor fast 1000 Jahren die Ansiedlung begann. 

„Für dieses moderne Geschäftsmodell hatten sich an die 40 Städte beworben. Und Diepholz hat gewonnen.“

Von dem frisch renovierten Turm hat man den schönsten Überblick über das Städtchen mit seinen rund 17.000 Einwohnern. Wenn man übrigens den Blick über das viele Grün und die Wohn- und Geschäftshäuser gegen Westen wandern lässt, bleibt er an einem großen Neubaukomplex hängen. In Beton und Stahl und mit viel Glas wächst hier eine neue Zukunft für die traditionsreiche Beamten- und Verwaltungsstadt heran. Das große Gewerbegebiet Kielweg – kraftvolles Symbol für den Aufbruch der Stadt ins Internet-Zeitalter.


Bernd Öhlmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings von Diepholz.

Zu den mittelständischen Produktions- und Handwerksbetrieben, die sich bereits hier neu angesiedelt haben, gehört die Firma „BlenderBottle“, die spezielle Getränke-Flaschen herstellt. „Wir haben die Firmenleitung für den Umzug von Frankfurt zu uns nach Diepholz gewinnen können“, sagt Bernd Öhlmann. Und das mit berechtigtem Stolz. Er ist der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings von Diepholz. Der Stadt mit insgesamt rund 7000 Beschäftigten ist es gelungen, in nur sieben Jahren Neuansiedlungen mit 1400 zusätzlichen Arbeitsplätzen zu gewinnen. „Das ist, prozentual gesehen, keiner anderen Stadt in ganz Niedersachsen gelungen“, bekräftigt Bernd Öhlmann. 

Anerkennung und Glückwunsch für den neu erblühten Gründergeist in der alten Grafenstadt. Wie kreativ und mutig der Brückenschlag von der Tradition in unser digitales Zeitalter gelingt, dafür steht „Diepholz bei eBay“ ganz besonders. Für dieses moderne Geschäftsmodell, mit dem sich der stationäre mit dem Online-Handel verbindet, hatten sich an die 40 Städte beworben. Und Diepholz hat gewonnen. Die 30 Einzelhändler und Gewerbetreibende, die inzwischen den Online-Marktplatz bei eBay zusätzlich nutzen, haben in den ersten Monaten dadurch insgesamt 175.000 Euro mehr Umsatz gemacht. Und sie haben ihre Angebote in 16 Länder verschickt.

Wie zielstrebig der Aufbruch in die neue Zeit geplant und vorangetrieben wird, dafür wiederum ist die „Wissenswerkstatt“ ein besonderes Beispiel. Auf Initiative lokaler Wirtschaftsunternehmen und der öffentlichen Hand wurde das ungewöhnliche Lernzentrum für Naturwissenschaft und Technik errichtet. Hier können Kinder und Jugendliche, einzeln oder mit ihren Schulklassen, sägen und schrauben und löten lernen, übrigens auch die Mädchen. Und sich kleine Roboter bauen, das lernen sie auch. „Von diesen Wissenswerkstätten gibt es erst fünf in ganz Deutschland“, betont Herr Öhlmann. Und Diepholz ist wieder dabei. „Um schon von der Kindheit bis hin zum Studium die Fachkräfte von morgen zu qualifizieren, haben wir weitere individuelle Weiterbildungsangebote geschaffen“. Wie die neue, hochmoderne Mediothek beim allgemeinbildenden Gymnasium. Und die private Hochschule für Wirtschaft und Technik wird zusätzlich zum Maschinenbau auch Elektrotechnik und Mechatronik-Studiengänge anbieten.

Nicht nur die Aus- und die Weiterbildung gehören zu den Trümpfen, mit denen die Kreisstadt moderne Unternehmen anlockt. Sie hat eine flexible Verwaltung und innovative Wirtschaftsförderung aufgebaut. Dazu viel Natur und vielfältige Freizeitmöglichkeiten, und bezahlbare Wohnungen – hohe Lebensqualität also. „Und dazu das Gefühl“, betont Bernd Öhlmann, „dass wir viele Sorgen und Ängste unserer hektischen Zeit in Diepholz noch draußen halten können.“

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Journalist

Norbert Scheid

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