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Die ganze Branche jubelt

Der Deutsche und sein Auto – das war schon immer eine besonders liebevolle Beziehung. Das gilt auch für den Dienstwagen. Der Markt boomt.

„Kleinere Unternehmen sind offener, was neue Modelle und Marken angeht, als die großen.“

Es hat sich vieles in den vergangenen Jahren auf dem Automobilmarkt verändert, aber etwas ist gleichgeblieben. „Firmenwagen gelten bei den Angestellten noch immer als ein wichtiges Statussymbol“, sagt Ralph Wuttke, Chefredakteur des Magazins „Flottenmanagement“, das auf der Website flotte.de News, Trends, Zahlen und Fakten rund um die Themen Firmenwagen und Firmenflotten bringt. „Innerhalb einer Firma bildet der Fuhrpark die Hierarchie ab.“

Allerdings dürfen sich immer mehr Mitarbeiter über einen Firmenwagen freuen, selbst, wenn sie ihn für ihre Tätigkeit eigentlich gar nicht brauchen. Denn sie sind nicht nur ein Mittel zur Motivation der Angestellten, sondern werden zunehmend wichtig, um in Zeiten von Arbeitskräftemangel überhaupt gut ausgebildete Mitarbeiter zu bekommen. Diese Entwicklung sorgt für gute Zahlen: 2015 wurden knapp zehn Prozent mehr Fahrzeuge als Firmenwagen an den Mann gebracht als im Jahr zuvor. Die Steigerungsrate liegt deutlich über der des gesamten Marktes, der es auf 5,5 Prozent brachte. Insgesamt waren es 71.088 Fahrzeuge mehr als 2014. „Die ganze Branche jubelt bei solchen Zahlen“, so Wuttke. Alle Marken – deutsche wie ausländische – haben von der Entwicklung profitiert, wenn auch in unterschiedlicher Größenordnung.

Spitzenreiter ist der der VW-Konzern, der es mit seinen Marken von VW über Skoda bis Porsche auf etwa 50 Prozent bringt. Dabei wechseln sich Golf und Passat auf Platz 1 ab. Nach Marktführer VW folgen die anderen deutschen Marken wie BMW, Mercedes und Audi. Insgesamt weisen die Marken, die zu einem deutschen Konzern gehören, einen Anteil von knapp 75 Prozent Marktanteil auf. Die besten Zahlen eines Produkts, das nicht zu einem deutschen Autobauer gehört, weist Renault auf. Im Kommen sind aber auch asiatische Marken wie Kia oder Hyundai. Prozentual konnten vom Anstieg am stärksten Ford mit 26 Prozent und Mini mit 21 Prozent profitieren. Besonders wichtig ist der Flottenmarkt für Audi und Mercedes: Bei Audi gehen 38 Prozent aller verkauften Autos in die Firmenflotten, bei Mercedes ein Drittel. Insgesamt spielen Firmenwagen für die ausländischen Anbieter eine geringere Rolle als für die Deutschen.

Der Flottenmarkt spiegelt dabei die Trends wider, die sich auch auf dem gesamten Automarkt zeigen. Bei den Automodellen ist der Vormarsch der SUVs nicht zu stoppen. „SUVs sind genauso praktisch wie ein Kombi, aber einfach viel cooler“, urteilt Ralph Wuttke. Neben den großen Modellen werden zunehmend auch die kleineren Ausführungen, die die Autobauer immer häufiger anbieten, nachgefragt. Wuttke hat für den Erfolg noch eine weitere Erklärung: „Wie die Gesamtbevölkerung, so altern auch die deutschen Firmenbelegschaften. Und ältere Menschen bevorzugen Autos, in die sie bequem einsteigen können – genau das bieten die SUVs.“

Erstaunlich: Auch Luxus-Marken wie Porsche, Bentley oder Jaguar werden nicht selten nachgefragt – natürlich für die Chefs an der Spitze von Unternehmen. Insgesamt gebe es zwischen Konzernen und mittelständischen Unternehmen bei der Auswahl des Fuhrparks kaum Unterschiede, so Ralph Wuttke. Bis auf einen: „Kleinere Unternehmen sind offener, was neue Modelle und Marken angeht, als die großen.“ Großunternehmen sind beim Kauf ihrer Fahrzeugflotte konservativ und bleiben einer Marke und einem Modell meist lange treu, wenn sie sich einmal dafür entschieden haben.

Ein Segment profitiert noch gar nicht vom positiven Trend: das Elektro-Auto. Die Gründe liegen auf der Hand: die fehlende Reichweite und die mangelnde Infrastruktur für das Aufladen. Umweltschutz und niedriger Verbrauch werden gleichwohl bei der Auswahl eines Modells immer wichtiger. Und zwar sowohl beim umweltbewussten Angestellten als auch bei den Unternehmensleitungen. Wuttke weist darauf hin, dass in den Unternehmen heute sehr genau auf die Differenz zwischen vom Produzenten angegebenen und dem tatsächlichen Verbrauch, der anhand von Tankkarten gut nachvollzogen werden könne, geachtet werde.

Das Magazin „Flottenmanagement“ veranstaltet am 22. Und 23. März kommenden Jahres in Düsseldorf den Branchentreff „Flotte!“. Geboten werden unter anderem Vorträge, Workshops sowie Expertengespräche mit Anwälten und Steuerexperten und ein Messebesuch mit rund 150 Ausstellern aus der Fuhrpark-Branche. Informationen gibt es unter www.flotte.de.

Fakten

Fakten

In Deutschland ist die Zahl der neu zugelassenen Firmenwagen 2015 um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die meisten Fahrzeuge auf dem Flottenmarkt wurden von VW und den Tochterunternehmen des Konzerns verkauft. Die deutschen Marken stellen insgesamt einen Marktanteil von fast 75 Prozent.

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Journalist

Armin Fuhrer

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