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Rolf Käse, „Business Angel des Jahres 2015“ FINANZEN

Bankenunabhängige Finanzierung – Rolf Käse

Rolf Käse, ist im vergangenen Jahr zum „Business Angel des Jahres 2015“ des Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) gewählt worden. Grund genug, mit dem erfahrenen Manager und Business Angel über bankenunabhängige Finanzierungen von Unternehmen zu sprechen.

Herr Käse, was soll man tun, wenn die Hausbank bei einer Gründung die Taschen zugeknüpft hält?

Wir kennen diese Situation in Deutschland nur zu gut, häufig scheuen die Banken das Risiko oder aber die Finanzierung einer ersten Phase, wo es oftmals um eine Anschubfinanzierung von einigen 100.000 Euro geht, reicht nicht aus. Seedfonds können gerade in der Frühphase von Unternehmen eine interessante Alternative sein, viele finanzieren bis zu 500.000 Euro innovative, technologieorientierte Ideen. Als Businessangel agiere ich sowohl als Seed-Investor oder zuweilen sogar als Initialgründer.

Sollte man es dann bei VC-Fonds versuchen?
Wir beobachten derzeit, dass sich die Fonds bei Early Stage Finanzierungen zurückhalten. Sie sind risikoscheuer geworden und steigen später ein, meistens erst in der zweiten oder gar dritten Runde und auch dann drängen sie auf Risikominimierung. Für uns als Businessangels bedeutet dies häufig auch an der Laterstage Finanzierung beteiligt zu sein.

…bleibt die Suche nach weiterem privatem Kapital?
Wie gesagt, inzwischen sind wir auch in Series A und B Runden beteiligt, wo es eher um einstellige Millionenbeträge geht. Dabei setzen wir meist das Geld verschiedener privater Investoren in Form eines Konsortiums ein.

Was versteht man darunter?
Hier versuchen wir mehrere Investoren zu poolen, um dann gemeinsam auch langfristig zu finanzieren. Im Medizintechnikbereich, in dem wir überwiegend tätig sind, hält man seine Investitionen sehr langfristig.

Wovon machen Sie eine Investition abhängig?
Wir schauen uns natürlich das Unternehmen mit seinen Zahlen und die Fundamentaldaten an, den Markt, das Umfeld, die Wachstumsprognosen und Chancen, aber auch die Erfahrung des Managementboards und seiner Mitglieder. Schließlich geben wir bei uns nicht fremder Leute Geld in ein Unternehmen, sondern unser eigenes.

Gerade wenn es um Finanzierungen geht, wie weit soll der Unternehmer in sein eigenes Risiko gehen?
Nun ja, das ist individuell verschieden. Natürlich ist es gut zu sehen, dass eine Unternehmerpersönlichkeit auch bereit ist, ein Stück seines eigenen Vermögens zu aktivieren und als Eigenkapital einzusetzen. Ich setze aber bestimmte Grenzen: Nie sollte bei derartigen Gründungen das Schicksal der eigenen Familie aufs Spiel gesetzt werden.


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Journalist

Frank Tetzel

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