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Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck DIGITALISIERUNG

„Autofahren macht riesigen Spaß!“

„Strietzel“ Stuck fährt zwar nicht mehr im Ring, dafür täglich auf der Straße. Der ehemalige Rennfahrer bewegt seinen Wagen bei Schnee auch gern mal querfeldein.

Manch einer wird schon mit Benzin im Blut geboren. Wer einen Rennfahrer als Vater hat und schon mit neun Jahren das Autofahren lernt, fällt wohl unter diese Kategorie. Hans-Joachim Stuck, Sportwagenweltmeister, Tourenwagenweltmeister, zweimaliger Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und 74-maliger Formel-1-Rennen-Fahrer liebt das Autofahren immer noch und freut sich jeden Tag darauf – auch ohne dramatische und waghalsige Überholmanöver.

„In Tirol, wo ich lebe, gibt es für mich nichts Schöneres, als mich morgens ins Auto zu setzen und frische Brötchen zu holen“, schwärmt die charmante Rennfahrerlegende. Stuck lebt mit seiner vierten Frau am Wilden Kaiser. „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, weil ich als Dienstwagen einen Volkswagen V8 Touareg fahren darf.“

Zwar hat „Strietzel“ Stuck, der diesen an ein Gebäck erinnernden Spitznamen bei seiner Geburt von einer Tante bekommen hat, vor vier Jahren seine aktive Rennfahrerkarriere beendet, aber auf die Straße will er deshalb noch lange nicht verzichten. Regelmäßig fährt er mit seinem Dienstwagen von Tirol nach Wolfsburg zu VW, wo er Motorsportrepräsentant ist.

„Am eigenen Fahren reizt mich besonders die Individualität. Dass ich hinfahren kann wo, und vor allem, wann ich will.“ So ist er nicht an die starren Zeiten von Flugzeug, Bahn oder Fähre gebunden, sondern steigt auch mal um Mitternacht in seinen Wagen. Oder bei Tiefschnee in sein geländegängiges Fahrzeug, um schnell die gesperrten Bergstraßen zu umgehen.

„Total cool finde ich ja meine Lenkradheizung“, lacht er augenzwinkernd. Auf die will der ehemalige Rennfahrer nicht mehr verzichten. Für wirklich unverzichtbar hält er allerdings ABS, ASR, ESP und den permanenten Allradantrieb. „Der hilft bei Traktion, bei Aquaplaning, bei Seitenwind und bei Blättern auf der Straße.“

Als „Straßenfahrer“ setzt Hans-Joachim Stuck heute andere Prioritäten als während seiner 40-jährigen Rennfahrerzeit. Im Ring waren Bremsen und Lenkung am wichtigsten, heute prüft er bei einem Leihwagen zuerst Felgen und Reifen. Denn falls der Fahrer vor ihm an den Randstein gefahren ist, könnte er den Reifen beschädigt haben – Unfallgefahr!

Stößt man mit Aluminiumfelgen an den Randstein, können schnell Risse und Brüche entstehen – ebenfalls Unfallgefahr! Natürlich prüft der Profi bei fremden Autos auch grundsätzlich die Stellung des Lenkrades, denn mit Linksdrang fährt es sich nicht einmal dann gut, wenn man sämtliche Gangarten des Wagens im Schlaf beherrscht. Auf den Allradantrieb möchte er bei einem Geschäfts- oder Leihwagen ebenso wenig verzichten wie auf die Scheinwerferreinigungsanlage.

Autofahren ist einfach immer noch die Passion des großgewachsenen Sonnyboys, der seine Karriere 2011 mit einem letzten 24-Stunden- Rennen (zusammen mit seinen beiden Söhnen) auf dem Nürburgring beendete. Die Leidenschaft für vier Räder macht ihn zu einem gefragten Mann: Er ist Repräsentant Motorsport beim Volkswagen-Konzern und unterstützt dort auch die Entwicklung neuer Fahrzeuge. Er ist Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) und hält dabei stets die Augen offen für die neuesten Entwicklungen der Branche. Bis vor kurzem fungierte er als Schirmherr von Classic Trader. „Die Industrie legt sich beim Thema Emissionsverringerung, Gas, Wasserstoff, Hybridmotoren und Elektromobilität mächtig ins Zeug. Das ist ein Fortschritt mit Siebenmeilenstiefeln in die richtige Richtung.“ Denn das Ziel ist, in absehbarer Zeit Emissionen gegen null zu haben.

Vollmundige Versprechungen, wie sie auf dem Genfer Autosalon im März dieses Jahres gemacht wurden, betrachtet Stuck allerdings mit Skepsis: „Wer eine Reichweite durch Flussbatterien von 800 Kilometern verspricht und dabei nicht einen einzigen Fahrbericht vorweisen kann, wirkt unglaubwürdig“, so der technikbegeisterte Fahrprofi, der vor Ort das viel diskutierte Elektro-Luxusmodell E-Mobil Quandt F unter die Lupe genommen hat. Kann sich jemand, der von Kindesbeinen an mit schnellen Autos vertraut ist, vorstellen, einmal aufs eigene Fahren zu verzichten? „Auf jeden Fall! Ich würde meinen Führerschein mit Sicherheit irgendwann freiwillig abgeben. Mein Vater, der ja auch mit 60 Jahren noch Rennen gefahren ist, hat seinen 12 Jahre später abgegeben – das möchte ich genauso machen.“

Das nennt man wahre innere Größe. Zur Fahrtauglichkeit hat „Strietzel“ übrigens zusammen mit dem ehemaligen Verkehrsminister Dr. Peter Ramsauer eine klare Forderung: Wie auch in Florida sollten Führerscheininhaber alle sechs Jahre zum Testen persönlich erscheinen, unabhängig von ihrem Alter.

Ob dieser Wunsch im Autoland Deutschland jemals in Erfüllung geht, steht in den Sternen. Doch warum nicht noch einmal nach den Sternen greifen? Schließlich waren die weißen Sterne auf seinem blauen Helm das Markenzeichen des lebenslustigen Rennfahrers, der 1972 als „König von Hockenheim“ für ausverkaufte Stadien sorgte. Und der jetzt so oft den klaren Sternenhimmel über der grandiosen Kulisse des Wilden Kaisers bewundern kann.

Fakten

Fakten

Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck kam am 1. Januar 1951 in Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Er bekam bereits mit 16 Jahren den Führerschein und fuhr erste Jugendrennen. Nach 89 Rennen mit 13 Siegen beendete er 2011 seine Karriere beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, zusammen mit seinen beiden Söhnen. Seit 2012 ist Stuck Präsident des Deutschen Motorsportbundes DMSB.

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Journalist

Katja Deutsch

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