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Andreas Schubert, Geschäftsführer von Great Place to Work® MANAGEMENT

Arbeitsmarkt Deutschland – die Jagd nach Spitzenkräften

Die deutsche Wirtschaft brummt, gerade erst haben die fünf Wirtschaftsweisen ihre Jahresprognose für das Jahr 2017 leicht erhöht und ihr nächstes Gutachten wird auch sehr positiv ausfallen. Beste Bedingungen für einen robusten Arbeitsmarkt mit guten Chancen für Jobsuchende. 

Wer als Experte in der IT-Branche arbeitet, hat gut lachen. Die Bitkom-Branche löste in diesem Jahr erstmals die Automobilindustrie als größten Industrie-Arbeitgeber in Deutschland ab. Im Jahr 2017 schaffte die gesamte Branche deutlich mehr neue Arbeitsplätze als erwartet. Bis zum Jahrendende werden voraussichtlich 1.077 Millionen Menschen in der Informationstechnik, Telekommunikation oder Unterhaltungselektronik beschäftigt sein. Ein Plus von 30.000 neue Stellen in einem Jahr. Diese Zahlen gab der Unternehmensverband „Bitkom“ auf seiner Herbstpressekonferenz bekannt.

Kein Wunder, dass die Unternehmen mit allen Mitteln nach guten und neuen Kräften suchen, was der Arbeitsmarkt hergibt. Dabei zählt für die Arbeitnehmer oft nicht nur der Name oder der Umsatz des Unternehmens. Ganz andere Faktoren geben heute den Ausschlag, sich gerade für dieses Unternehmen zu entscheiden.

Seit dem Jahr 2002 untersucht das Forschungsinstitut Great Place to Work® die Qualität und Attraktivität von Arbeitgebern in Deutschland. Wir haben mit dem Geschäftsführer von Great Place to Work®, Andreas Schubert, über die Situation am Arbeitsmarkt gesprochen.

Herr Schubert, fast Vollbeschäftigung in Deutschland – das ist ein Paradies für die Jobsuchenden oder?

Ohne Frage gibt es in der Tat heute Branchen, wo sich die Mitarbeitenden den Arbeitgeber aussuchen können und nicht umgekehrt. Als Beispiel kann man da die IT-Branche anführen. Diese ist in der Entwicklung aber weit vorne und lässt andere Branchen – und auch besondere Regionen Deutschlands – weit hinter sich.

Viele Firmen bieten Saft, Cola, Kicker? Sind das Kriterien für die Jobsuche?

Hier von mir ein entschiedenes „Jein“. Die Interessen der Jobsuchenden sind unterschiedlich und so auch die individuellen Ideen der Firmen. Was wir aber übergreifend als Kriterium erkennen, ist, und das vielmehr als ein üppiges Gehalt, nämliche eine auf zentralen Werten aufbauende Arbeitsplatzkultur. Diese sorgt für eine hohe – innere und äußere – Attraktivität, die bei der Jobwahl stark leitend ist. 

Flache Hierarchien liest man in vielen Angeboten – zieht der Startup Gedanke um gute Arbeitskräfte zu bekommen?

Sicherlich wirkt dieses anziehend und kann durchaus sogar als Trend betrachtet werden. Neben flachen Hierarchien sind Demokratisierung, stärkere Eigenverantwortung, „Empowerment“, Soziokratie und Holacracy weitere Impulse unserer heutigen Arbeitswelt, die von Ansprüchen an Agilität und dem digitalen Wandel geprägt ist. In vielen Unternehmen fehlt aber noch die grundlegende Kultur, um diese Ansätze umzusetzen. Beim Versprechen in einer Stellenanzeige darf es aber auch nicht bleiben, vielmehr muss dieses Versprechen sich dann auch einlösen. 

Welche Benefits sind wirklich wichtig a. für die Arbeitnehmer und b. für die Arbeitgeber?

Ich möchte dieses nicht auf den klassischen Begriff Benefits reduzieren. Der für Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber wichtigste Aspekt ist die gute Kultur. So sind die Mitarbeitenden motivierter, loyaler und engagierter, was dann natürlich auch stark zum wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. 

Welche Rolle spielen flexible Zeitmodelle für Eltern, Mütter oder Väter und beeinflussen sie das Bewerbungsverhalten?

Eine große. Wir arbeiten seit längerem mit einem mittelständischen Unternehmen zusammen, welches der Zahl seiner Mitarbeitenden entsprechend über Einzel-Modelle verfügt. Dieses Beispiel ist sicherlich extrem, zeigt aber die Wichtigkeit von Flexibilität in unserer heutigen Zeit. Und ja, es kann natürlich für einen Bewerber entscheidend sein, dass ein spezieller Arbeitgeber Ganztagsbetreuung in einem Betriebskindergarten anbietet.  

Was ist für Sie persönlich wirklich The best Great Place to Work?

Ich möchte mich hier ungern auf eines der über 700 Unternehmen, mit denen wir in Deutschland alljährlich zusammenarbeiten, festlegen. Dazu gibt es einfach zu viele exzellente Arbeitgeber, die in kultureller Hinsicht vieles sehr richtig machen. Dass es immer neue Ideen gibt, mit denen Unternehmen auf sehr innovative Art und Weise Gutes für ihr Miteinander tun, begeistert mich immer wieder aufs Neue. 

Fakten

Seit dem Jahr 2002 ermittelt das Forschungsinstitut Great Place to Work® jährlich die besten Arbeitgeber in Deutschland. In aufwendigen Audits und Befragungen wird ermittelt, wie die Beschäftigten ihr Unternehmen erleben. Dabei geht es um Wertschätzung, Vertrauen und Motivation. Die Liste der 100 besten Unternehmen differenziert die Betriebe in vier Größenklassen.

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Journalist

Jörg Wernien

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